Güstrow, Güstrow wir sind da…

„Es gibt kein ruhiges Hinterland“ – Das war wieder einmal Motto, diesmal in Güstrow. Nachdem antifaschistische Jugendliche vor rund zwei Wochen für den heutigen Tag zu einer Demonstration gegen die örtliche Neonaziszene aufriefen, folgten diesem Aufruf heute rund 120 zumeist jugendliche Antifaschist_innen. Ziel war es, sich den hegemoniellen Ansprüchen, welche die Güstrower Neonazis in der Stadt seit einiger Zeit durch ihr vermehrt gewaltbereites Auftreten stellen, entgegen zu setzen und den Nazis klar zu machen: Es geht auch anders!

Trotz der kurzen, kleinen und sehr regionalen Werbung für die Demo fanden sich bei bestem Wetter gegen 11 Uhr ca. 120 Antifaschist_innen ein. Nach dem Verlesen des ersten Redebeitrages startete die Demo vom Bahnhof in Richtung Güstrower Innenstadt. Nach wenigen hundert Metern traf sie hier auf die ersten Neonazis, welche sich heute in Güstrow zeigten. Nachdem diese schon vor Tagen gegen die Demonstration mobil machten und sogar mit einer eigenen Gegendemo aufwarten wollten, gaben die Faschos sich heute mit ihrem Auftritt der Lächerlichkeit preis. Rund 15 Personen standen eingekesselt von Polizeieinheiten auf einer Brücke und mussten zahlreiche Schmährufe und Verhöhnungen über sich ergehen lassen. Einzig durch die professionelle Bedienung ihrer Hightech Handys, mit denen sie krampfhaft versuchten aus gut 30 Metern Entfernung brauchbare Fotos von der Demo zu machen, fielen sie noch auf. Nicht eine Fahne oder ein Transparent hatten sie mitgebracht. Eine schwere Niederlage für den „nationalen Widerstand“ am heutigen Tage. Nachdem die gut gelaunte und kraftvolle Antifademo dieses kleine Stimmungschmankerl passiert hatte, ging es in die Innenstadt. Die Demonstration wurde die ganze Zeit von auffallend wenig Polizei begleitet, welche einzig und allein im Altersdurchschnittsvergleich den Antifas weit überlegen waren. Allerdings tummelten sich allein 6 Personen der Polizeieinheit MAEX um die Demo herum. Es folgte eine Zwischenkundgebung auf dem Marktplatz der „Ernst Barlach Stadt“. Hier wurden Redebeiträge über die sogenannte „Krawallnacht“ in Bützow und über die Aktivitäten der regionalen Neonazis verlesen. Leider befanden sich nur wenige Passant_innen auf dem Kundgebungsplatz, die den Redebeiträgen lauschten. Anschließend führte die Route mit einem kleinen Schwenk wieder zurück zum Hauptbahnhof. Hier legten die Demonstrationsteilnehmer_innen noch einen kurzen Sprint ein, bei dem besonders die Polizeieinheit „IZD Rostock“ sich bis auf die Knochen blamierte und dafür mit höhnischen Gesängen seitens der Demonstrat_innen bedacht wurde. Kurz zuvor kam es noch zu einer spannenden Begebung, als sagenhafte 5 Neonazis mit geschätzten 60 Sachen und 50 Metern Abstand an der Demo vorbeirasten und sich dabei durch lächerliche Parolen ebenfalls vollends die Blösze gaben. Bei immer noch strahlendem Sonnenschein endete die Demonstration wieder am Hauptbahnhof.

Fazit

Alles in allem war es ein gelungener und vor allen Dingen stressfreier Antifaspaziergang durch Güstrow. Einziger Wehrmutstropfen ist, dass das Seminar über rechtsextreme Strukturen in der Region aufgrund von organisatorischen Engpässen abgesagt werden musste.