Alternatives Jugendcamp in Lärz und Sponti in Malchin

Vom 5. bis 10 August fand zum nunmehr 5. Mal das Alternative Jugendcamp (AJUCA) auf dem Gelände des Kulturkosmos in Lärz statt. Unter dem Motto „politics.people.party“ nutzten mehr als 200 junge Menschen diesen temporären Freiraum um sich abseits des rechten Mainstreams in MV kennenzulernen und zu informieren. Inhaltlich ging es in den Vorträgen und Workshops um die verschiedensten Themen: Von Referaten über Antisemitismus und Nazistrukturen in MeckPomm über Workshops zu Sexismus und Gender bis hin zu aktionsorientierten Klettertrainings und Boxworkshops war auf dem Ajuca alles vertreten. Zudem beschäftigen sich die Campteilnehmer_innen mit der Geschichte des 2 km entfernten ehemaligen KZ-Außenlagers Retzow-Rechlin, dessen Häftlinge auch zur Zwangsarbeit auf dem Flughafengelände in Lärz gezwungen wurden.
Natürlich wurde auch dieses Jahr das inhaltliche Programm durch ein abwechslungsreiches Kulturprogramm ergänzt. Wer Lust auf Party hatte, konnte den Abend mit Live Acts wie Supershirt, Feine Sahne Fischfilet und Connexion Musical ausklingen lassen oder aber bei einem Film im Infohangar oder am Lagerfeuer entspannen.
Nachdem am Freitagabend mehrere nicht-rechte Jugendliche in Malchin von Neonazis brutal überfallen wurden, entschloss sich ein Großteil der Campteilnehmer_innen am Samstag spontan zu einer Demonstration in der mecklenburgischen Provinz. 120 junge Menschen zogen durch die Straßen Malchins und machten die Bevölkerung auf den rechten Übergriff und die gewalttätige Kameradschaftsszene in der Stadt aufmerksam. Hunderte Flugblätter wurden verteilt und das Stadtbild von Nazipropaganda befreit. Die Route ging vorbei am Wohnort des stadtbekannten Neonazis Hannes Ramm, der regelmäßig auf Neonaziaufmärschen und Treffen zugegen ist. Die Anwohner_innen wurden über die Aktivitäten ihres „nasty neighbors“ aufgeklärt, der nicht nur in der Kameradschaft Malchin, sondern auch in der Fußballfangruppierung „Peene Vikings“ aktiv ist. Als die Demonstration am Kreiskrankenhaus vorbeizog, in dem eines der Opfer des nächtlichen Übergriffes noch behandelt werden musste, gab es lautstarke Solidaritätsbekundungen seitens der Demonstrant_innen. Am Bahnhof provozierten einige Neonazis dann noch eine Auseinandersetzung, die für ihre Autos nicht ganz so glimpflich endete. Nach einer kurzzeitigen Ingewahrsamnahme eines Demonstranten konnten alle Campteilnehmer_innen wieder die Rückreise nach Lärz antreten und am letzten Abend des Ajucas ausgelassen feiern.
Organisiert wurde das Ajuca von einem Bündnis verschiedener alternativer und antifaschistischer Gruppen. Für das gute Gelingen des Camps waren jedoch alle Campteilnehmer_innen verantwortlich, die sich je nach Kraft, Lust und Zeit überall miteinbrachten – ob beim morgendlichen Plenum, in der veganen Vokü oder bei der Secu Schicht – Do it yourself war und ist die Devise auf dem Ajuca!