Man stolpert mit dem Kopf und dem Herzen

Am 10. Juli wurden in Greifswald die ersten 11 Stolpersteine verlegt. Das von Gunter Demnig ins Leben gerufene Kunstprojekt erinnert an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Am letzten selbst gewählten Wohnort werden Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg eingelassen, um die Erinnerung an die Menschen wach zu halten, die hier einst wohnten. Die Verlegung der Stolpersteine wurde vom Künstler Gunter Demnig selbst vorgenommen, anwesend waren circa 80 Greifswalder_innen. „Wir wollen den Greifswaldern, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden ihren Namen zurückgeben und damit ein Stück ihrer Identität und Würde“, so einer der Initiatoren. Gunter Demnig wies daraufhin, dass jedes Lesen eines Stolpersteines automatisch mit einer symbolischen Verneigung vor den Opfern einherginge und verwies auf den Ausspruch eines Schülers, der meinte: „Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen“.

Die ersten Stolpersteine wurden in der Brüggstraße 12 für Julius, Gerd, Hans und Thea Futter verlegt. Die Familie floh nach der Reichspogromnacht nach Berlin. Den Kindern Gerd und Hans Futter gelang 1938 die Flucht nach England. Julius und Thea Futter wurden 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Vor dem Historischen Institut erinnert ein Stolperstein an Dr. Gerhard Knoche. Hier wies ein Vertreter des Institutes auf den radikalen Antisemitismus unter den Studierenden in der NS-Zeit hin und dass sich nur wenige Kollegen mit ihren jüdischen Mitarbeitern solidarisiert hätten. Knoche floh nach Berlin, dann nach Amsterdam, wurde 1943 nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet.

Ein Stolperschein für Rudolf Kaufmann befindet sich vor dem Institut für Pharmakologie. Kaufmann verlor 1933 aufgrund der rassistischen Gesetzgebung seine Stelle und wurde 1936 zu drei Jahren Zuchthaus wegen „Rassenschande“ verurteilt. Er floh 1939 nach Litauen, hier verliert sich seine Spur. Wahrscheinlich wurde er nach dem Einmarsch der Deutschen in Litauen erschossen.

Elise Rosenberg wohnte bis zum 12. Februar 1940 in der Friedrich-Löffler Straße 3, wo nun ein Stolperstein an sie erinnert. In der Nacht zum 13. Februar 1940 wurde sie verhaftet über Stettin und Lublin ins Ghetto Belzyce deportiert. Am 19. Mai 1941 wurde sie dort ermordet.

Zwei weitere Stolpersteine wurden in der Robert Blum Straße 11 für Alice Weißmann, geb. Sichel und für Paula Gabriele Sichel verlegt. Alice Weißmann floh nach Dänemark, wurde dort 1943 festgenommen nach Theresienstadt deportiert und fünf Tage später ermordet. Paula Gabriele Sichel wurde ebenfalls in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Am 9. April 1944 wurde sie dort ermordet.

Das Ehepaar Georg und Friederike Feldmann betrieb bis zum 31. Dezember 1938 einen Laden für Feinkost, Kolonialwaren und Spirituosen in der Gützkower Straße 39. Nach der Reichspogromnacht wurde Georg Feldmann einige Monate im KZ Sachsenhausen interniert. In derselben Nacht wie Elise Rosenberg wurde auch das Ehepaar Feldmann über Stettin, Lublin, Bezyce nach Belzec deportiert und dort ermordet.