HDJ Razzia auch in Greifswald und Umgebung

Im Zuge eines vereinsrechtlichen Ermittlungsverfahrens, das gegen die „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ) läuft, wurden heute bundesweit, mit Ausnahme vom Saarland und Bremen, mehrere Wohnungen und Büros führender Neonazis durchsucht, die zur HDJ gehören oder ihr zumindest nahe stehen.
Auch in Mecklenburg-Vorpommern wurden mehrere Objekte untersucht. Unter anderem besuchte die Polizei Frank Klawitter in Greifswald/Ladebow, Ragnar Dam in Wusterhusen und Lutz Giesen in Postlow. Die Durchsuchung der Wohnung von Klawitter ereignete sich heute ab ca. 6 Uhr, wobei mehrere Fahnen und Kisten mit vermutlich belastendem Material beschlagnahmt wurden.
Betroffen sind laut endstation-rechts.de auch NPD-Wahlkreismitarbeiter David Petereit und Landtagsabgeordneter Birger Lüssow. Es ist nicht verwunderlich, dass auch NPD-Landtagsabgeordnete und Mitarbeiter im Visier der Ermittler stehen, denn schon seit längerem ist bekannt, dass es im Nordosten personelle Überschneidungen zwischen der NPD und der HDJ gibt. So ist zum Beispiel die Homepage der HDJ auf den Namen des Landtagsabgeordneten Tino Müller registriert.
Die „Heimattreue Deutsche Jugend“, ist eine neonazistische Vereinigung, die sich im Jahre 1990 gegründet hat und die vor allem Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 25 Jahren ansprechen will. In ferienlagerähnlichen Veranstaltungen müssen sich die Kinder nicht nur militärisch-sportlichen Übungen, wie Strammstehen und 150-km-Märschen unterziehen, sondern erhalten auch politische Schulungen, bei denen schon den Jüngsten die faschistische Ideologie eingetrichtert wird.
Mit Hilfe der Durchsuchungen und eventuellen Beschlagnahmungen soll geklärt werden, ob es belastendes Material gegen die HDJ gibt, dass ein Verbot der Organisation nach sich ziehen würde. In der kommenden Woche wird der Innenausschuss des Bundestages über mehrere Verbotsanträge gegen die HDJ tagen.


Frank Klawitter
Frank Klawitter kann auf eine lange Nazikarriere zurückblicken. Als Gründungmitglied der so genannten „Greifswalder Nationalsozialisten“, die im Jahr 1989 entstanden, bestellte er bei der „NSDAP/AO“ neben Hakenkreuzaufklebern den NS-Kampfruf für sich und die „Kameraden aus dem Norden Mitteldeutschlands“. Schon bald zählte er zum harten Kern der rechtsextremen Hausbesetzerszene. Auch organisierte er Wehrsportlager und war als „Führer von Greifswald“ mit den damals führenden ostdeutschen Rechtsextremisten per Du.
Lange Zeit war es ruhig um Klawitter. Ca. 5 Jahre lang betätigte er sich beim Technischen Hilfswerk (THW) in Greifswald bis Anfang 2007 seine HDJ-Aktivitäten bekannt und er vom Dienst suspendiert wurde. Im September diesen Jahres wurde gänzlich vom THW ausgeschlossen.


Ragnar Dam
Ragnar Dam zog vor etwa drei Jahren von Berlin nach Greifswald und lebte hier lange in einer Wohngemeinschaft im Ostseeviertel mit Weinhold und dem überregional bekannten Kameradschafts- und NPD-Aktivisten Lutz Giesen. In dieser Zeit diente die WG-Adresse als Postfach der Neonazipostille „Greifswalder Bote“, in der unter anderem auch Ragnar Dam in einer Anzeige für die HDJ warb. Ragnar Dam, der hier in Greifswald Biologie studiert, fungiert als „Einheitsführer“ für die „Leitstelle Nord“ der HDJ. Ragnar Dam beteiligte sich auch an verschiedenen neonazistischen Veranstaltungen aus dem Kameradschafts- und NPD-Spektrum. So war er letztes Jahr mit seinen Mitbewohnern auf dem Naziaufmarsch am 1. Mai in Neubrandenburg zu sehen. Am 1. April diesen Jahres nahm er an einer unangemeldeten Kundgebung von Greifswalder Neonazis in Gedenken an Otto von Bismarck teil.
Derzeit wohnt Dam im vorpommerschen Wusterhusen. Erst am 20. Mai dieses Jahres wurde seine Wohnung wegen des Verdachts der Volksverhetzung und des Verbreitens verfassungswidriger Propagandamaterialien durchsucht. Ihm wurde vorgeworfen während eines HDJ-Lagers Vorträge zu „Rasseschulungen“ organisiert und durchgeführt zu haben. Dabei soll auch der NS Propagandafilm „Der ewige Jude“ gezeigt worden sein.
Ragnar Dam ist ebenfalls Mitglied des THW. Seit dem Mai 2008 ist auch er vom Dienst suspendiert und soll gänzlich ausgeschlossen werden.


Lutz Giesen
Lutz Giesens Neonazikarrerie begann in den 90er Jahren in Berlin. Dort baute er die Kameradschaft Germania mit auf und machte durch sein Auftreten als Redner auf zahlreichen Demonstrationen und Anmelder diverser Neonazikundgebungen auf sich aufmerksam. 2002 verzog er nach Hamburg, musste die Stadt jedoch bereits zwei Jahre später mit dem Ruf als „Mietnomade“ wieder verlassen.
Seit 2004 wohnte Lutz Giesen wie bereits erwähnt mit Ragnar Dam und Weinhold in der Hansestadt Greifswald und agierte als einer der führenden Köpfe des „Nationalen und Sozialen Bündnis Pommern“. Weiterhin ist er in der HDJ aktiv und pflegte gute Kontakte zur örtlichen Burschenschaft Rugia.
Im Dezember 2005 hielt er im schwedischen Salem vor rund 1400 Neonazis eine Rede in der er von einem „geplanten Krieg auf den europäischen Straßen“ sprach, „indem Fremdrassige und Linke täglich unschuldige Weiße ermorden.“.
Seit Kurzem wohnt Giesen in Postlow. Dort will er bei den Kommunalwahlen 2009 für die NPD kandidieren. Bei der Landtagswahl 2006 erzielte die NPD in Postlow mehr als 30 Prozent der Wähler_innenstimmen. Giesen ist mehrfach, unter anderem wegen schwerer Körperverletzung, vorbestraft.

(Danke an die Fotograf_innen!)