Und wir feierten doch…

Das Verbot eines antifaschistischen Jugendevents in Loitz nach Drohungen von Neonazis zeigt das menschliche Versagen eines Lokalpolitikers. Zugleich jedoch ist es typisch für den Umgang mit Rechtsextremismus in den ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns.

Es war erfolgreiches Konzert, das gestern in Greifswald stattfand. Mehrere Hundert Jugendliche feierten den Auftritt mehrerer Bands und DJs, darunter Feine Sahne Fischfilet, die Stimmung war ausgelassen und gut. Ein paar Mißtöne waren jedoch nicht zu überhören: Denn eigentlich sollte das Konzert gar nicht in Greifswald stattfinden….

Geplant war vielmehr ein Aktionstag gegen Rechtsextremismus in der vorpommerschen Kleinstadt Loitz, der mehrere Vorträge, Seminare und Filme zum Thema mit einer abschließenden Party verbinden sollte. Die Mitglieder der Bands, die selber aus der Region stammen, wollten ein Event auf die Beine stellen, das gerade im ländlichen Raum mal Abwechslung bietet und sich zugleich klar gegen das Problem der Neonazi-Szene ausspricht. Die Veranstaltung wurde über Monate beworben und in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung organisiert – im letzten Moment jedoch kündigte der Bürgermeister Johannes Winter (CDU) den Mietvertrag für das örtliche Schützenhaus, weil Neonazis auf Plakaten zu Gewalt gegen das Konzert aufgerufen hatten.

Winter ist nicht der erste Lokalpolitiker in Mecklenburg-Vorpommern, der so handelt, wie Vorfälle in Gadebusch und Parchim zeigen. Diese Verbote offenbaren das menschliche Versagen von Lokalpolitikern, die sich von einer Handvoll rechter Jugendlicher erpressen lassen – trotz der ersichtlichen Haltlosigkeiten solcher Drohungen.

Zugleich wird in den Absagen ein falsches oder gänzlich fehlendes Verständnis von Politik deutlich, das typisch für den Umgang mit Rechtsextremismus in so vielen Kleinstädten und Dörfern ist: Anstatt eine kulturelle und politische Vielfalt zu unterstützen, anstatt sich klar gegen Neonazis zu stellen, die mit Gewalt auf alles Mißliebige reagieren, werden die Opfer rechter Aggression als Ursache der Unruhe ausgemacht. Würden die alternativen Jugendlichen mit ihren bunten Haaren, die Asylbewerber mit ihrer fremdländischen Sprache oder eben die Linken mit ihren Veranstaltungen nicht so auffallen und die Neonazis provozieren, gäbe es auch keine Drohungen oder Gewalt. Dass solche Ruhe eine politische Friedhofsruhe ist, die demokratische Vielfalt und pluralistischen Alltag begraben sieht, sehen diese autoritären Dorfvorsteher nicht. Sollte, wie es von einigen Seiten heißt, zudem im Fall von Loitz die Polizei und ihre politische Abteilung, die MAEX, zu der Absage geraten haben, wäre der Skandal um so größer: Da es außer Frage steht, dass die Polizei die Veranstaltung nicht hätte schützen können, hätte sie als für Strafverfolgungen zuständige Institution hier eindeutig eine politische Entscheidung getroffen…

Für die vielen Besucher, die Bands und die Veranstalter/innen des Abends mag die Verlegung zwar einen bitteren Beigeschmack verursacht haben. Ein Erfolg war das Konzert trotzdem. Die Folgen der Entscheidung der Lokalpolitik von Loitz jedoch lassen sich nicht an Faktoren wie Besucherzahlen oder Ausgelassenheit messen: Welchen Bärendienst sie dem Eintreten für eine pluralistische Gesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern erwiesen haben, wird sich langfristig zeigen. Welchen Auftrieb Johannes Winter dagegen der lokalen Neonazi-Szene um die Kameradschaft Loitz verschafft hat, wird er in den nächsten Monaten erkennen – wenn sich rechte Propaganda, Drohungen und Gewalt häufen werden und die NPD bei den Kommunalwahlen Erfolge erzielen wird.

Danke an www.links-lang.de für den Bericht.


Danke an die Autonome Antifa Mecklenburg-Strelitz und Feine Sahne Fischfilet für die Fotos.