250 auf Antifa Demo / Fashion Store gekündigt

Etwa 250 Menschen gingen gestern, am 7.Februar in Greifswald unter dem Motto „Keine Geschäfte mit Neonazis – Tu Wat gegen Thor Steinar und rechten Lifestyle“ auf die Straße. Hintergrund der Demo ist der „Fashionstore“, ein Laden im Greifswalder Gewerbegebiet, in dem unter anderem Kleidung der rechten Marke „Thor Steinar“ vertrieben wird.

Die Demoroute führte vom Südbahnhof durch die Greifswalder Plattenbausiedlung Schönwalde bis hin zum Fashionstore. Gerade die Neubaugebiete sind das Hauptaktionsfeld der örtlichen Neonazis, so finden sich hier in letzter Zeit vermehrt rechte Schmierereien und Aufkleber. Zudem wird unregelmäßig die Neonazipostille „Greifswalder Bote“ verteilt. In Redebeiträgen wurden Anwohner_innen und Passant_innen über die Entwicklung der Neonaziszene in Greifswald und die Kriminalisierung linker Strukturen in der Hansestadt aufgeklärt und es wurden Alternativen zu rechter Ideologie, Parolen und Lifestyle aufgezeigt. Die Demo stieß auf ein reges Interesse der lokalen Bevölkerung, viele Menschen guckten aus den Fenstern oder blieben am Straßenrand stehen.

Aus ganz Mecklenburg-Vorpommern und zum Teil aus anderen Bundesländern waren Antifaschist_innen angereist um zumindest temporär die graue Tristesse der Plattenbauten zu durchbrechen. Dazu trug auch der „Bunte Block“ der Greifswalder Sektion der hedonistischen Internationale bei. Während an der Demospitze Fahnen geschwenkt und antifaschistische Parolen gerufen wurden, tanzten im hinteren Teil die Demonstrat_innen zu Klängen aus dem Kinderwagensoundsystem.

Insgesamt verlief die Demonstration ruhig und ohne größere Zwischenfälle. Nur gegen Ende ging die Polizei unverhältnismäßig stark gegen die Demospitze vor, als diese versuchte das Abfilmen der Demo durch drei schwarz gekleidete Neonazis zu unterbinden. Dies blieb jedoch die einzige Stelle an der sich organisierte Nazis an diesem Tag blicken ließen. Zuvor hatten sie lediglich eine Sonderausgabe des „Greifswalder Boten“ verteilt, in dem sie das Motto der Demo „Keine Geschäfte mit Neonazis“ mit dem NS Spruch „Kauft nicht bei Juden“ gleichsetzten. Einige dieser Flugblätter warfen sie auch vom Greifswalder Dom. Zudem beschmierten sie einige Objekte an der Strecke mit Hakenkreuzen und Sprüchen wie „Antifa fickt Schafe“

Auf der Endkundgebung in unmittelbarer Nähe des „Fashion Store“ wurde dann nochmals darauf hingewiesen, dass die Vermieter, Familie Rumschkowski, den Laden Mandy Constanze Schöndorfs zum 28. Februar gekündigt hätten. Diese Nachricht sorgte für Jubel unter den Demonstrierenden, von denen viele den erfolgreichen Tag noch bei der After-Demo Party im IkuWo ausklingen ließen.

Ab Ende Februar gibt es dank des antifaschistischen Engagements in Greifswald keinen Laden mehr, der Thor Steinar verkauft. Rechten Modelabels wie Thor Steinar und den von ihnen transportierten, menschenverachtenden Ideologien gilt es aber weiterhin entgegenzutreten. Dieses Engagement kann sich nicht nur auf Infoveranstaltungen und Demonstrationen begrenzen und sollte auch im Alltag seinen selbstverständlichen Platz finden. Antifaschismus ist kein Hobby, sondern eine Selbstverständlichkeit!

Weitere Berichte:
„150 Teilnehmer bei Demo gegen Rechts“ webmoritz, 07.02.09
„Protest gegen Thor Steinar Laden: Geschäft schließt“ Ostsee Zeitung, 09.02.09




Fotos von Björn Kietzmann bei flickr.com

Redebeitrag „Keine Geschäfte mit Neonazis Aufruf“ [download]

Redebeitrag „Entwicklung der Naziszene in Greifswald“ [download]

Redebeitrag „Kriminalisierung linker Strukturen in Greifswald“ [download]

Redebeitrag „Autonome Freiräume“ [download]