Konzerte mit Gerbenok? Nein danke!

Am Samstag, den 26.12.2009, ist es wieder soweit. Bereits zum 4. Mal wird das „If The Kids Are United“ stattfinden. Beworben wird das im Bunker in Greifswald stattfindende Konzert mit dem Zusatz “Love Music Hate Racism“. Eigentlich echt cool, gäbe es nicht ein Problem: Unter anderem soll an diesem Abend die Band „Gerbenok“ spielen.

Gerbenok ist eine sich unpolitisch gebende Oi-Punk-Band aus Sachsen-Anhalt, die sich nach eigenen Angaben im Jahre 2003 „bei einem netten Abend ohne Weiber dafür mit Bier und Gesang“ gründete. In ihren Texten hetzen sie gegen Homosexuelle und Asylsuchende, sowie gegen sich anders kleidende Menschen. Dass sie aufgrund ihrer Texte mindestens als rechtsoffen einzuordnen sind, zeigt sich einmal mehr auch in ihrem übertriebenen Lokalpatriotismus.

Hier ein paar Auszüge aus ihren Songtexten:

[…] Reich und Schwul – so wie’s jeder kennt
Reich und Schwul – das die Rosette brennt
Reich und Schwul – und in den Arsch gefickt
Reich und Schwul – den Puller abgeknickt

[…] Und stellst du einen Bewerber in der Firma ein
Heißt der Eignungstest: A-Loch auf und Schwanz hinein […]
(aus „Reich und Schwul“)

[…] Das sind die neuen Hippies
Sehn sie noch so trendy aus,
Sind sie doch dreckig und verlaust
Hippies müssen raus!

[…] Jeder tanzt den Affentanz, doch sind sie alle Schwul

[…] Das soll jetzt nicht rassistisch klingen, doch es ist nun einmal so
Irgendwelche Asylanten dealen auf dem Bahnhofsklo
Mit langem Haar und schöner Bräune stehn sie an der Litfaßsäule
Schicken Kinder auf den Strich, doch das interessiert euch nicht […]
(aus „Die neuen Hippies“)

[…] Sachsen – Anhalt, du bist mein Land und hier komm ich her
Von der Geburt an schon dir zugewandt,
Steh ich auch heut noch stolz zu dir

[…] Man muss fühlen wo man herkommt, fühlen, dass man in Anhalt lebt
Dann dringt der Stolz bis durch die Marten´s und der Asphalt drunter bebt
Jetzt weißt du wo du bist, sei deinem eignen Lande treu […]
(aus: „Sachsen-Anhalt“)

Auch gibt es personelle Überschneidungen mindestens eines Bandmitgliedes mit der rechten Szene. So hat Christian „Stöbi“ Stöbe in der Kneipe „Skinhouse Menfis“ in Neustadt (Orla) verkehrt, die unter polizeilicher Beobachtung stand, da dort regelmäßig verdeckt Konzerte mit rechten Bands wie „Donnerschlag“, „Faustrecht“ „Endstufe“, sowie Bands aus dem „Blood & Honour“-Spektrum stattfanden. (Sowohl dort, als auch in der „Schwedenschanze“ in Deesbach, einer weiteren Lokalität, die als Treffpunkt für Neonazis Schlagzeilen machte, gaben Gerbenok einige Konzerte.) Auch war Stöbe verantwortlich für das Fanzine „Streetwar“, das Erwähnung im Verfassungsschutzbericht 2005 von Sachsen-Anhalt als „rechtsextremistisches Fanzine“ findet. Zuletzt schrieb er bei dem Zine „Stolz und Stil“, das auch Interviews mit dem mittlerweile verbotenen Netzwerk „Blood & Honour“ nahestehenden Bands abdruckt. Im „Egoist Fanzine“ No. 11 antwortete Stöbe auf die Frage, was in seinem Plattenschrank stehe: „bei mir ist es eher vermischt. Vom Punkrock bis zum Rock against ist vieles dabei…“. Mit „Rock against …“ ist die Neonazikampagne „Rock against Communism“ gemeint, die einen Gegenpol zur antifaschistischen Musikbewegung „Rock against Racism“ darstellen sollte. In einem weiteren Interview in dem rechten Zine „Meinungsfreiheit“ äußert sich Stöbe über den Einfluss einiger Leute zum Thema „political correctness“ innerhalb der Skinheadszene: „Ich glaube die Szene braucht im großen und ganzen irgendwelche Führer. Sie will ja ach sooooo unpolitisch sein und ist noch viel politisierter als ein NSDAP-Anhänger unter Hitlers Führung.“

Wir fragen uns, wie eine Band, die in ihren Textzeilen homophobe, rassistische und nationalistische Aussagen trifft und Kontakte zur rechten Szene pflegt, in eine sich als solidarisch und „unpolitisch“ bezeichnende Szene passt. Angesichts des Mottos „If The Kids Are United“, beworben unter dem Spruch „Love Music Hate Racism“, sollte es auch im Interesse der Veranstaltenden sein, dass Menschen egal mit welchen sexuellen Vorlieben und unabhängig ihrer Herkunft dem Konzert beiwohnen können, ohne derartig menschenverachtende Hasstexte gegen sich oder patriotische Gefühlsduselei hören zu müssen. Daher fordern wir:

Keine Konzerte mit Gerbenok!
Für Konzerte, die die individuelle Entfaltung nicht beschneiden!
Für Konzerte jenseits von Diskriminierungen!