8. Mai – Tag der Befreiung

Am 8. Mai 1945, an dem Tag, an dem die Deutschen bedingungslos kapitulierten, nahm das menschenverachtendste Regime der Geschichte endlich ein Ende. Der Nationalsozialismus, der einen Bruch mit der Zivilisation darstellte und in seiner Einzigartigkeit mit keinem anderen Geschichtsereignis verglichen werden kann, bedeutete für über 40 Millionen Menschen der Tod. Daher haben heute um die 50 Menschen in Greifswald denen gedankt, die dieses Leid vor 65 Jahren beendeten und die Deutschen besiegten und derer gedacht, die während ihres Kampfes den Tod fanden oder unter der Diktatur der Deutschen litten oder gar starben.

14 Uhr traf sich eine Gruppe von Fahrradfahrer_innen am Berthold-Beitz-Platz um mit mit Sprüchen beschriebenen Schildern, Fähnchen und Herzchenluftballons durch die Straßen der Neubaublöcke von Schönwalde 1 und 2 zu radeln. Mit Luftschlangen, Konfetti und lauter Musik feierten sie die Befreiung vor 65 Jahren und verteilten währenddessen Flyer an neugierige Passant_innen. Die Freude war groß, als hier und da einige als Zeichen ihrer Zustimmung klatschten oder ihren Daumen gen Himmel streckten. Auch dass es sich einige Autofahrer_innen nicht nehmen ließen, der Menge zu winken, zu hupen oder sich gar dem Fahrradkonvoi anzuschließen, löste innerhalb der Gruppe Glücksgefühle aus. Fast pünktlich zur Einweihung des Denkmals für Caspar David Friedrich wurde die Tour mit einem Redebeitrag am Fischmarkt beendet, in dem unter anderem auch die Geschmacklosigkeit – die Denkmalseinweihung eines „deutschen Patrioten“ an einem Tag zu feiern, „an dem eigentlich das Ende des deutschen Vernichtungskrieges gefeiert werden sollte und an dem ein würdiges Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus im Vordergrund stehen sollte“ – kritisiert wurde. Einige Passant_innen blieben neugierig stehen. Anschließend stieß mensch mit bereits bereitgestellten Sekt auf das Ende des Krieges vor 65 Jahren an und aß von den liebevoll in den Farben der Alliierten dekorierten Kuchen oder vom Borschtsch.
Am frühen Abend begaben sich noch einige Menschen zum Denkmal zu Ehren der gefallenen Sowjetkämpenden und ehrte sie mit Blumen und einem stillen Moment.

Wer nicht feiert, hat verloren!

Jedes Jahr zum 8. Mai mobilisieren auch immer wieder Neonazis zu widerlichen, geschichtsrelativierenden Trauermärschen, bei denen das Leiden einiger Deutscher nach Ende des Krieges in den Vordergrund geschoben wird. Dabei lässt sich weder das Leiden deutscher Vertriebener, noch die Bombardierung deutscher Städte losgelöst vom deutschen Vernichtungskrieg sehen. Der Ursprung dieser Ereignisse liegt weder abseits dessen, noch im Ende, sondern im Anfang des deutschen Vernichtungsfeldzuges!

Спасибо! Thank you! Merci!

Unser Dank gilt denen, die diesem deutschen Wahn ein Ende gesetzt haben, den Kämpfer_innen der Alliierten, den antifaschistischen Widerstandskämper_innen und auch derer, die noch in Gefangenschaft unter schwierigsten Bedingungen alles daran setzten, sich dem menschenverachtenden und menschenvernichtenden Regime entgegenzustellen. Wir gedenken derer, ihr Leben dafür gaben und derer, die sich nicht mehr wehren konnten, der Juden und Jüdinnen, der Sinti und Roma, der Zwangsarbeiter_innen, der Kriegsgefangenen, der Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung, der Homosexuellen, der Kommunist_innen, der Oppositionellen, derer, die Arbeit und Krieg verweigerten und aller anderen Opfer, die niemals in Vergessenheit geraten dürfen.
Wir sehen uns in der Verantwortung alles daran zu setzen, dass es so etwas wie den Nationalsozialismus nicht noch einmal geben wird!
Kein Vergeben, Kein Vergessen!

Fotos und Redebeitrag folgen in Kürze.