Archiv für November 2010

Redebeitrag der antifa_unlimited

Nachfolgend dokumentieren wir einen Redebeitrag der antifa_unlimited anläßlich der „Schon Vergessen“-Demonstration 2010, in welchem auf aktuelle Geschehnisse in der Hansestadt Greifswald und insbesondere auf den Versuch der Neonazis, den öffentlichen Gedenkdiskurs und das Gedenken an Eckard Rütz und Klaus-Dieter Gerecke für sich zu instrumentalisieren, eingegangen und erklärt wird, warum ein Gedenken von neonazistischer Seite nicht möglich ist.

Ein Redebeitrag der antifa_unlimited

Zum zehnten Mal jähren sich in diesem Jahr die Morde an den Greifswalder Obdachlosen Klaus-Dieter Gerecke und Eckard Rütz. Erstmals versuchten Neonazis in den letzten Tagen in den öffentlichen Erinnerungsdiskurs zu intervenieren und das Gedenken für sich zu instrumentalisieren. Die örtliche Nazigruppierung legte einen Kranz nieder und auf einschlägig bekannten Neonaziwebseiten wurde zum Gedenken an die Obdachlosenmorde aufgerufen. Warum Neonazis bei diesem Anlass nichts zu suchen haben, was hinter ihren Parolen zum Gedenken steckt und warum die Ursachen der Morde in der Verfasstheit dieser Gesellschaft liegen… (mehr…)

Neonaziaktivitäten und rechts-konservative Strukturen in Greifswald

Redebeitrag der AAG

In Greifswald sind seit einiger Zeit vermehrt neonazistische Aktivitäten zu beobachten. Insbesondere die Gruppe der sogenannten „Nationalen Sozialisten Greifswald“, kurz NSG, tritt in diesem Zusammenhang in Erscheinung. Seit Anfang des Jahres betreibt die NSG eine eigene Internetpräsenz auf der immer wieder rassistische, homophobe und andere menschenverachtende Inhalte veröffentlicht werden.
Mit rechten Sprühereien, Aufklebern und Plakaten tragen die Neonazis ihre Propaganda auch in das Greifswalder Stadtbild. So tauchten in den letzten Monaten wiederholt rechte Parolen auf, die zu neonazistischen Aktivitäten aufriefen oder gegen Menschen gerichtet waren, die nicht in das neonazistische Weltbild der NSG passen. (mehr…)

Nationalistisches Gedenken?

Wie die „NSG“ versucht neonazistische Morde zu entpolitisieren

Am Donnerstag, dem 25. November 2010, gedachten ca. 70 Menschen Eckard Rütz, der vor nunmehr 10 Jahren an der Telefonzelle an der Mensa von drei rechten Jugendlichen ermordet wurde. Nur einige Stunden zuvor versammelten sich dort einige Mitglieder der „Nationalen Sozialisten Greifswald“. Auch sie gaben vor, dem Opfer gedenken zu wollen. Sie legten ein Gedeck nieder, stellten eine Kerze auf und veröffentlichten hierzu später einen Artikel auf ihrer Internetseite.

Auf der Schleife, die an dem Gedeck befestigt war, stand: „Nationale Sozialisten Greifswald – Obdachlose sind auch Deutsche!“ Dies war auch die Grundaussage des Artikels, den sie veröffentlichten. Hierbei wird eindeutig klar, dass es ihnen nicht darum ging, einem Menschen zu gedenken, der aufgrund seiner Obdachlosigkeit tot geschlagen wurde. Kein Wort der Anteilnahme, der Trauer oder ähnliches, es ging ihnen nicht um Eckard Rütz, sondern darum, dass hier ein Deutscher getötet wurde und Neonazis wie ihnen die Verantwortung dafür zugeschrieben wird. (mehr…)

Schon vergessen?

Bereits in den 1990er Jahren formierte sich in Greifswald ein sehr aktionistischer NPD-Kreisverband um den bekannten Neonazikader Maik Spiegelmacher. Dieser NPD-Kreisverband nahm bald eine Sonderstellung in Mecklenburg-Vorpommern ein, da er es verstand, im Gengensatz zur Führungsebene der Neonazipartei, die aktionsorientierten Neonazis der „Freien Nationalisten“ an sich zu binden. Im Zuge dieser Zusammenarbeit kam es zu zahlreichen rechten Demonstrationen, Kundgebungen und Informationsständen. Die Losungen der Neonazis von damals lauteten zum Beispiel „Gegen die geplante Schließung von Schulen“ oder „Gegen Krieg und Größenwahn“. Mit diesen Themen und der Organisation von Kinderfesten und anderem gesellschaftlichen Engagement versuchten sie Fuß in der Mitte der Gesellschaft zu fassen. Zum Handeln sah sich die Greifswalder Öffentlichkeit und Zivilgesellschaft nicht veranlasst.

Erst als am 24. Juni 2000 der obdachlose Klaus Dieter Gerecke von Neonazis in der Gützkower Straße ermordet wurde, folgte ein „Aufschrei der Anständigen“ und es wurden zahlreiche Demonstrationen, Gedenkkundgebungen und anderweitige Aktionen gegen Neonaziaktivitäten organisiert. Doch bereits fünf Monate später, am 25. November 2000, wurde der ebenfalls obdachlose Eckard Rütz brutal ermordet. Auch diesmal waren die Täter der neonazistischen Szene zuzuordnen, einer von ihnen war gar Mitglied des NPD-Kreisverbandes Greifswald. Die im Zuge des von der Bundesregierung ausgerufenen „Aufstandes der Anständigen“ begonnenen zivilgesellschaftlichen Aktivitäten intensivierten sich und erreichten ihren Höhepunkt, als sich 2001 einem Neonaziaufmarsch in Greifswald mehr als 7000 Menschen entgegen stellten. Danach jedoch gingen die Aktionen kontinuierlich zurück, bis der Protest vollkommen erlosch. Gleichfalls schwand das Interesse daran die Taten aufzuarbeiten und so gerieten die beiden Morde zusehends in Vergessenheit. (mehr…)

Schon vergessen?

Am 25. 11. 2010 jährt sich der Todestag des obdachlosen Greifswalders Eckard Rütz zum zehnten mal. Im Jahr 2000 waren er und der ebenfalls obdachlose Klaus Dieter Gerecke von Neonazis erschlagen worden. Das Greifswalder Bündnis „Schon vergessen?“ veranstaltet am 25.11 eine Gedenkkundgebung und am 27.11 eine Demonstration. Neben der Erinnerung an Rütz und Gerecke soll auch die aktuelle Neonaziproblematik in der Stadt im Fokus stehen.

Gedenkveranstaltung am 25.11.2010 um 14:00 Uhr an der Mensa Greifswald

Beginn der Demonstration am 27.11.2010 um 13:00 Uhr an der Mensa Greifswald

Schon vergessen 1

Schon vergessen 2

NPD-Infostand verhindern!

Nazialarm!
Am 10. November will die NPD-Landtagsfraktion MV zwei Infostände in Greifswald durchführen. Zwischen 12 und 17 Uhr haben sie sowohl am Fischmarkt, als auch am Schönwaldecenter Veranstaltungen angemeldet.
Die Infostände stehen als Wahlkampfaktivitäten im Zusammenhang mit der Landtagswahl 2011, bei der die NPD sich anschickt erneut in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern einzuziehen. Wiedereinmal versucht die NPD ihre menschenverachtende Ideologie unter die Bevölkerung zu bringen und mit sozialen Themen zu punkten.
Das die neonazistische Partei mit ihren Infostände ausgerechnet nach Greifswald kommt, ist der Tatsache geschuldet, dass in der Hansestadt im Gegensatz zum Umland wenig Propagandaaktivitäten der NPD zu beobachten sind. Darüber hinaus sind rechte Strukturen in der Universitätsstadt im Gegensatz zum Landkreis Ostvorpommern verhältnismäßig schwach ausgeprägt. Möglicherweise versuchen die Neonazis die Hansaestadt Greifswald für den kommenden Wahlkampf zu schleifen.

know your enemy
Vermutlich werden die Protagonisten der NPD, die den Stand betreuen, wiedereinmal aus Ostvorpommern kommen. Dies sollte jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass auch Greifswalder Neonazis an den Veranstaltungen teilnehmen werden. Gerade die in letzter Zeit sehr aktiven Neonazis der Gruppe „Nationale Sozialisten Greifswald“, die für zahlreiche rechte Schmierereien verantwortlich sind werden die Stände frequentieren. Für die gut vernetzten Greifswalder „Kamerad/innen“ werden die Veranstaltungen einmal mehr eine Möglichkeit bieten sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren, wie sie es bereits auf diversen Neonaziaufmärschen in MV und Brandenburg getan haben.
So nahmen bereits im Frühjahr bekannte Mitglieder der Gruppe an Infoständen in HGW teil.
Hierbei zeigten sich die guten Kontakte zu regionalen Kadern über die sie verfügen. Auch haben sich die Neonazis der „NSG“ der sogenannten „Anti-Antifa“-Arbeit verschrieben und versuchen durch abfotografieren und ausspionieren an Daten ihrer politischen Gegner_innen zu gelangen. Vorsicht ist also geboten!

fight the fascist scum – unity means power
Wir rufen alle antifaschistisch gesinnten Menschen dazu auf mit uns die Veranstaltungen der NPD zu stören und wenn möglich zu verunmöglichen. Neonazistische Propaganda muss verhindert und den Neonazis ihre Bühne genommen werden. Das schaffen wir nur gemeinsam! Bereits im Frühjahr konnte den Neonazis entschiedener Protest entgegen gebracht werden! Die Ideen des „nationalen Sozialismus“ und der „Volksgemeinschaft“ sind keine Lösungen für soziale Probleme, sondern führen zu Diskriminierung und Verfolgung von, den Neonazis missliebigen Menschen.
Dagegen setzen wir die Idee von einer emanzipierten, und progressiven Gesellschaft, in der Ausgrenzungsmechanismen keine Rolle mehr spielen und Menschen unabhängig ihrer Herkunft, Religion oder Sexualität gemeinsam, friedlich zusammenleben.
Für eine Gesellschaft, in der Neonazis keinen Platz haben!

NPD-Infostände stören!