Protest nach brutalen Naziangriff

via indymedia

Fight Back!

Wieder und wieder sausen die Schlagstöcke durch die Luft. Mit Teleskopschlagstöcken aus Stahl prügeln sie auf seinen Kopf, in sein Gesicht. Schwer gezeichnet von dem Überfall wird er ins Krankenhaus gebracht. Aufatmen – wenigstens ist er ansprechbar. Ob bleibende Schäden zurückbleiben werden, wird sich erst in den nächsten Tage herausstellen.
Drei Neonazis, die zuvor Aufkleber verklebten und ein Hakenkreuz an eine Häuserwand schmierten, warteten nur auf ihn. Als er um eine Ecke biegt, stehen sie plötzlich vermummt vor ihn und beginnen mit dem Angriff.
Am Tag darauf versammeln sich rund 200 Menschen, um gegen den neuerlichen Angriff von Nazis zu protestieren.
Dass trotz der kurzen Mobilisierungszeit so viele Leute am heutigen Samstag gegen diesen Angriff sich auf dem Marktplatz zusammengefunden haben, könnte man als Erfolg werten, wären es nicht die bitteren Umstände, die dazu führten. Es ist eine bunte Mischung aus Zivilgesellschaft, autonomer Antifa und Punks, die ihren Unmut zum Ausdruck bringen wollen. Via Megaphon werden die Demonstranten auf den neuesten Stand gebracht, die Gäste in den angrenzenden Lokalen über den Anlass der Demonstration informiert.
Flyer werden verteilt und nach einer kurzen aber knackigen Kundgebung findet sich nach einiger Zeit auch eine Spontandemonstration zusammen. Rund 100 Menschen ziehen durch die Greifswalder Innenstadt zur Wohnung von Marcus Gutsche. Der nach Greifswald gezogene Berliner war Mitglied in neonazistischen Gruppe „KS-Tor“. Diese hatte als eine der ersten Kameradschaften den Stil linker Gruppierungen kopiert und damit wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der so genannten ‚autonomen Nationalisten‘.
In jüngster Zeit ist es zu einer massiven Eskalation rechter Umtriebe in Greifswald gekommen. Bereits im Vorfeld ihrer 1.Mai-Demonstration, die mit einer krachenden Niederlage endete, war überschattet von einer Gewaltwelle. Neonazis versuchten zwei alternative Projekte anzuzünden. Kurz darauf wurden Gewerkschaftler beim Plakatieren von „Antinaziplakaten“ verprügelt, in Wohnungen die Scheiben eingeworfen. Es scheint fast so, als würden die Neonazis nun mit Gewalt kompensieren wollen, was ihnen bisher nicht gelang: Ein erfolgreicher Start in den Wahlkampf. Anders als noch 2006 scheint es nicht ausgemacht, dass die Nazis ins Schweriner Schloss einziehen.
Die Angriffe zeigen, dass es schon längst an der Zeit ist aufzuwachen und aufzustehen. Denn der Nichteinzug in das Parlament würde die Strukturen der Neonazis empfindlich schwächen und damit auch die Möglichkeiten verringern Terror auf der Straße zu verbreiten.

Kampagne gegen den Landtagswahlkampf der NPD: Wake up! – Stand up!

Hintergrundinfos zum Überfall: Fleischervorstadt-Blog