Schlagkräftiger Hausverweis

via indymedia

Hausverbot für Antifas‘ prophezeite das rechte Portal „MuPInfo“ im Vorfeld einer Musikveranstaltung im Greifswalder Jugendzentrum Klex, welches in der Vergangenheit immer wieder in die Kritik geraten war. Der Vorwurf: Im ehemals linksradikalen Zentrum würden immer häufiger so genannte „unpolitische“, bishin zu eindeutig rechten Bands spielen. Kritik entzündete sich auch an der besagten Veranstaltung an diesem Wochenende. Aufgrund der Querelen schwadronierte das NPD-nahe Portal schon fast von nationalen Zonen im alternativen Greifswald. Und dennoch kam es dann irgendwie ganz anders…

Am Freitag Abend fand im Klex der Auftakt des „BalticSeaStore – Indoor Fest“ – ein Hardcore-Festival – statt. Bereits in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurden an die Fassade des Hauses und an Häuserwände in der Umgebung neonazistische Parolen geschmiert. Inhalt der Sprühereien waren bespielsweise „NS lebt“ oder „NSHC“ (National Socialist Hardcore). Am Folgetag ließ ein Neonazi im Internet verlauten, dass das Klex für sie keine Bedrohung darstelle, sie agieren lediglich gegen die Unterwanderung des Jugendzentrums von „antideutschen Kreaturen“. Außerdem fänden sie das „BalticSeaStore – Indoor Fest“ nach eigenem Bekunden „klasse“, unterschrieben wurde der Kommentar mit dem Kürzel „ANG“ (Autonome Nationalisten Greifswald). Tatsächlich tummelten sich auf dem Hardcore-Fest bereits im letzten Jahr zahlreiche bekannte Neonazis. Das die Veranstaltung einen Anreiz für sie bietet kommt jedoch nicht von ungefähr; durch Teile des Veranstaltungskreises wird seit geraumer Zeit gegen eine angebliche Unterwanderung der vermeintlich unpolitischen Hardcore-Szene durch Linke gewettert und eine „Unity“ beschworen, die statt der Abgrenzung gegenüber menschenverachtenden Einstellungen den vorbehaltslosen Eintritt für die „Hardcorefamily“ propagiert, egal wer zu dieser so gehört. Ganz der Extremismustheorie folgend werden die angeblichen politischen Extreme „Links“ und „Rechts“ gleichgesetzt und unter der Formel des unpolitischen unterschiedslos als „Bullshit“ bezeichnet. In Ermangelung von Subkulturen abseits der in die Jahre gekommenen und an Attraktivitätsverlust leidenden Sauf- und Rechtsrockszene, versuchen die Neonazis da Fuß zu fassen, wo man es vermeidet sich klar gegen ihre menschenverachtende Ideologie zu positionieren und ihnen stattdessen Anknüpfungspunkte bietet. An die Hardcoreszene mit ihrem klischeebeladenen Rollenbildern und der Verherrlichung von Kampf und Körper fällt den Neonazis das Anknüpfen leicht. So erklärt sich auch, dass sich die im Vorfeld des Hardcore-Festivals laut gewordene Vermutungen, dass unter den Konzertbesucher_Innen nicht nur unpolitische Hardcore-Fans sein könnten, bewahrheitete. Am Freitagabend fanden sich neben den Greifswalder Neonazis Marcus G. und Nicole Breitsprecher auch der rechte Kampfsportler Siegfried Hille aus Rostock und Reik Pudszuhn aus Teterow ein. Ganz selbstverständlich besuchten sie einige Acts und hielten sich auf dem Hof des Jugendzentrums auf. Um so länger waren dann aber ihre Gesichter, als sie sich unfreiwillg vor der Tür des Jugenzentrums wiederfanden. Nachdem der Veranstalter auf die rechten Gäste hingewiesen wurde, schmiss er sie kurzer Hand raus. Siegfried Hille musste die Veranstaltung als erster verlassen. Einige Hardcorefans jedoch wollten sich mit dem bloßen Rausschmiss nicht begnügen. Nach ein paar Schellen, bei denen der Kickboxer Hille die Deckung sträflich vernachlässigte, nahm er die Beine in die Hand und ergriff die Flucht. Kurz nach seinem wenig tapferen Abgang folgten auch seine Kameraden, die sich jedoch flugs in ein eilig vorgefahrenes Fahrzeug flüchteten, um dem Zorn der Hardcorefreund_Innen zu entgehen.
Die deutliche Reaktion des Veranstalters, die Neonazis diskussionslos vom Festival zu verweisen, ist als positives Zeichen zu werten. Offensichtlich ist mittlerweile die Einsicht gewachsen, dass Neonazis eben doch nicht zur „Family“ gehören. Von einem angeblichen „Hausverbot für die Antifa“ war im Juz Klex am Freitag nichts zu spüren. Die Einzigen, die das Festival wegen ihrer politischen Einstellung verlassen mussten, waren die Kameraden der „MuPInfo“-Redaktion und so bleibt das Jugendzentrum auch in Zukunft von „antideutschen Kreaturen“ unterwandert.

Siggi

Siegfried Hille als Kampfsportler

Teterow

Hille grinsend zweite Reihe links, bei Neonazi-Demonstration(05.03.2011 Teterow)

Raik

Reik Pudszuhn auf der NDP-Demonstration am 01.05.2010 in Rostock

hst

Siegfried Hille und Hannes Welchar bei einer NPD – Demonstration am 24.10.2009 in Stralsund.