1. Mai 2007
Antifademo und Proteste gegen Naziaufmarsch in Neubrandenburg

600 – 700 Nazis in Neubrandenburg – zahlenmaessig ein Erfolg fuer die rechte Seite…
Die Polizei war offenkundig ueberrascht vom Zuspruch die sowohl die linke als auch die rechte Demonstration fand. Eilig mussten Verstaerkungen herangefuehrt werden, aber dennoch gelang es der Polizei nicht Angriffe auf die Nazidemonstration zu unterbinden. Etwa 300 – 400 Anwohner und linke Gegendemonstranten gelang es immer wieder durch das Werfen von Flaschen, Steinen, Eiern und Boellern die Marschordnung der Nazis aus dem Tritt zu bringen. Eine Sitzblockade erzwang schliesslich die Umleitung der Route. Die Organisatoren des rechten Umzugs hatten mit soviel Widerstand offensichtlich nicht gerechnet. Bei allen anderen Veranstaltungen im Bundesgebiet war davon auszugehen, dass die Nazis nur wenige Meter laufen werden. Vielleicht war dies auch ein Beweggrund nach Neubrandenburg, konnte man sich dort doch Hoffnungen machen weitgehend ungestoert vom antifaschistischen Protest demonstrieren zu koennen.

Fuer die Seite der Neonazis trotzdem ein Reinfall
Doch daraus wurde nichts. Die Angriffe auf die Demonstration, obwohl sie letzendlich garnicht so heftig waren, muessen bei den „Kameraden“ bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Bereits waehrend der Demonstration schien man alle inhaltliche Bewegruende fuer die Demo vergessen zu haben und poebelte einfach nur noch in Richtung Gegendemonstranten.
Wer aber vermutete wenigstens im „Weltnetz“ wuerde man wieder zu einer etwas gemaessigten Artikulation zurueckfinden sah sich getaeuscht. Anstatt wie ueblich die Gegenaktivitaeten zu verschweigen oder zu verharmlosen, finden sich etwa auf „stoertebeker“ detailierte Beschreibungen antifaschistischen Handelns. 90% des Inhalt bezieht sich allein auf die Gegenseite.
Getroffene Hunde bellen, moechte man sagen. Kein Wort über Anlass und Grund der Demonstration. Kein Wort ueber die boese Globalisierung, ueber den boesen Kapitalismus und die nationale Errettung durch die arischen Kaempfer in der Provinz. Nein, der Schreck sitzt tief, eine Homezone fuer Nazis sind ja auch freilich anders aus. So kann das Fazit fuer die Nazis nur lauten: Klarer Reinfall. Pro zwar die hohe Teilnehmerzahl, aber auf der Minusliste stehen so einige Punkte: Ein Redner der Neubrandenburg fuer Brandenburg haelt, die peinliche Ausfaelle gegenueber der Landtagspraesidentin, das Auftreten der Demonstrationsteilnehmer im Allgemeinen und die peinliche Nachberichtserstattung im Besonderen. Wer „Stoertebeker“ liest, denkt die Antifa haetten einen haushohen Sieg eingefahren.
Aber auch auf deren Seite lief nicht alles rund. Redebeitraege zum Thema 1. Mai konnten aus organisatorischen Gruenden nicht gehalten werden. Die Art und Weise der Auseinandersetzung liess insbesondere mit Blick auf die Kiezjugend doch stark zu wuenschen. Homophobe Sprueche sind nicht cool, auch nicht wenn sie sich gegen Nazis richten. Bedauerlich war auch die geringe Teilnehmerzahl. Mit 200/300 Antifas mehr haette man den Nazis ein ordentliches Desaster bereiten koennen. So fehlte aber an vielen Stellen die Deckungsmasse aus der man haette agieren koennen. Auch die hohe Zahl der Ingewahrsamsnahmen (25) muss nachdenklich stimmen.
Dennoch ist ein sehr postives Fazit zu ziehen. Es ist gelungen den Nazis ordentlich die Suppe zu versalzen. Und auch wenn man am 1. Mai nicht alle Chancen nutzte, es steht ja der 02. Juni vor der Tuer und spaetestens hier, werden wohl aller Wahrscheinlichkeit nach, die Nazis ihr blaues Wunder erleben.

Danke an red_angel – erstveroeffentlicht bei www.indymedia.org // Danke an Bernau für die Fotos.