10.Juni 2006
CSD in Warszawa

CSD w Warszawie: Bis zu 30.000 Menschen [laut taz, mit Berufung auf Angaben der Polizei] beteiligten sich am 10. Juni 2006 in der polnischen Hauptstadt Warschau an der ersten legalen Gleichheitsparade-Parade und setzten ein deutliches Zeichen gegen Sexismus, die antifreiheitliche Stimmung im Land und den Kurs der rechtskonservativen polnischen Regierung. In den Vorjahren war die Parade vom damaligen Warschauer Bürgermeister Lech Kaczynski[heute Präsident des Landes!] verboten worden und immer wieder Ziel von eier-, steine- und flaschenwerfenden Gegendemonstranten. Kaczynski bedauerte später öffentlich die Festnahmen der Gewalttäter und stellte sich schützend vor die Taten. Er drohte die geplante Gleichheitsparade 2006 erneut zu verbieten. Auch dieses Jahr hatten Regierungspolitiker im Vorfeld der Parade diese als „obszön“ bezeichnet und Verständnis für homophobe Schlägertruppen ausgedrückt. Wenn man also die Berichte vom vorigen Jahr, in dem Neonazis mehrfach Demonstranten mit Steinen und Flaschen angriffen und die Bilder vom CSD aus Moskau im Hinterkopf hatte, konnte einem schon mulmig werden auf dem Weg nach Warschau.
Am Startpunkt der Parada Równosci angekommen, war dort bereits eine unüberschaubare Menschenmenge an bunten Demonstranten anzufinden, die einem kleinen Häufchen Elend Neonazis und einem religiösen-faschistoiden Mob gegenüberstanden, die schnell damit begonnen hatten mit Eierwürfen ihre neurotischen Störungen abzureagieren. Auf ihren Transparenten glänzten sie mit geistigen Ergüssen wie „Gegen Eurohomosexualisierung Polens“ und „Antipolonisten raus aus Polen“. Auf einem anderen Plakat bekundete ein Pole: „Ich bin ein polnischer Bürger und habe polnische Pflichten“, wiederum auf einem anderen Schild hieß es sogar: „Wir sind polnische Palästinenser“. Um sich an weiteren Punkten auf der Strecke zu postieren, zogen die Neonazis zu Beginn der Parade ab und die Demonstration konnte friedlich durch die Straßen Warschaus ziehen. Viele Menschen strahlten zufrieden am Straßenrand auf die Parade oder guckten begeistert aus ihren Fenstern, ein beachtlicher Teil zollte die Demonstration jedoch mit abgrundtiefen Hass und Verbalausfällen.
Unter den Demonstranten, fanden sich Queers, Schwulen und Lesben, linke und liberale Parteianhänger, sowie Anarchisten und Antifaschisten aus vielen Teilen Europas und den USA ein. Der schwarze Block innerhalb der Demo versuchte vor allem die Angriffe und Störversuche von homophoben Bürgern und Neonazis am Rand konsequent zu unterbinden, da die Polizeikräfte, die mit etwa 2.500 Personen im Einsatz waren, daran kaum Interesse zeigten. Positiv ist dem abzugewinnen, dass den Sexisten und Nationalisten – durch die Zurückhaltung der Polizei – auch mal das ein oder andere homophobe Transparent entwendet werden konnte. Als gegen Ende eine Gruppe von Neonazis versuchte die Demonstration zu stören, ging die Polizei hingegen brutal gegen die TeilnehmerInnen unserer Demonstration vor und nahm mehrere polnische und deutsche Demonstranten in Gewahrsam. Laut Polizeisprecher Pawel Biedziak, wurden 14 rechte Gegendemonstranten verhaftet.
Alles in allem war die Gleichheitsparade ein grandioser Erfolg, kreativ und unglaublich vielfältig. Die Neonazis und homophoben Bürger Polens waren eindeutig in der Defensive und durch das couragierte Auftreten der Demonstranten hatten die Störenfriede keine Chance die Parade ernsthaft anzugreifen oder zu stören! Es bleibt zu hoffen, dass die politische Situation Polens durch diese und weitere Aktionen nachhaltig beeinflusst wird und die polnischen Aktivisten und Aktivistinnen, im Kampf um Freiheit und Gleichberechtigung, gestärkt aus diesen Ereignissen hervorgehen und dafür auch in den nächsten Jahren mit Unterstützung aus allen Teilen der Welt rechnen können.

Danke an die Bewegung 1101 für den Bericht. Danke auch an die Fotograf_innen.