10. März 2007
Ungdomshuset überall – MV-weite Solidemo in Rostock

„Mich kotzt das halt an, alle wollen einen immer von der Straße runterhaben, alle wollen, dass man nicht abends irgendwo rumhängt, aber du hast keine andere Chance (…), weil immer mehr geschlossen wird.“ So ein Teilnehmer der Demonstration am vergangenen Samstag in Rostock gegenüber dem Freien Radio Lohro. Rund 130 Menschen gingen für den Erhalt von linksalternativen Freiräumen auf die Straße und zeigten ihre Solidarität mit dem erst kürzlich geräumten Ungdomshuset in Kopenhagen.
„Solidarität mit dem Ungdomshuset“ hieß es auf dem strahlend-gelben Fronttranspi hinter dem sich ab 14 Uhr auf dem Doberaner Platz immer mehr Menschen sammelten. Im Vorfeld des internationalen Aktionstages hatten sich auch in Mecklenburg-Vorpommern kurzfristig einige Gruppen dazu entschlossen eine Solidemo für das geräumte Jugendhaus in Kopenhagen zu veranstalten. Diese zog unter blauen, wolkenlosen Himmel und bei strahlenden Sonnenschein durch die belebte Fußgänger_innenzone. Verdutzte Blicke, fragende Gesichter – die Demonstrant_innen skandierten ununterbrochen Parolen wie „Jeder Stein der abgerissen, wird von uns zurück geschmissen“ oder „Solidarität muss praktisch werden – Feuer und Flamme den Abrissbehörden“. Ansagen aus dem Lauti fügten erklärend hinzu: „Wir sind heute hier um gegen die Räumung des Ungdomshuset und die Schließung linksalternativer Projekte im Allgemeinen zu protestieren. Unsere Solidarität gilt den Gefangenen in Kopenhagen! “ Redebeiträge zur Geschichte des Jugendhauses und ein Augenzeugenbericht der Räumung auf der Zwischenkundgebung vertieften das Verständnis für die derzeitige Situation in der dänischen Hauptstadt. Kurz vor Ende kam es dann plötzlich zur massiven Verstärkung der Polizeipräsenz, da die Demonstrant_innen in Richtung Rathauseingang liefen und kurzzeitig die Straßenbahnschienen blockierten. Aus dem Lauti wurde deeskalierend eingegriffen; an die Bullen erging die Aufforderung nach Hause zu gehen „und im Vorgarten Blümchen zu pflanzen“. Die Staatsbeamt_innen hielten das wohl für eine gute Idee und zogen sich nach der Auflösung der Demonstration relativ schnell zurück.

Bål og brand og rudeknus / hvis i rører vores hus (Feuer und Brand und Scherben, wenn ihr unser Haus anrührt)
„Es gibt Häuser und Projekte in MV, die auch bedroht sind. Dort (in Kopenhagen, Anm. der AAG) wird’s abgerissen und geräumt, hier wird’s eher todgespart. Hier ist das ein schleichender Tod. Solidarität ist unsere Waffe!“ so die Einschätzung eines Demonstranten gegenüber Lohro. In Mecklenburg-Vorpommern sind unter anderem awiro (Alternatives Wohnen in Rostock) und das AJZ Neubrandenburg akut von dieser Politik betroffen.
Bereits die zahlreichen Solidaritätsbekundungen auf dem ganzen Globus zeigten, dass es bei der Räumung und dem Abriss des Ungdomshuset um mehr geht, als nur Pflasterstein und Gemäuer. Vielmehr ist der Angriff auf das Haus, ein Angriff auf eine Szene, die versucht, jenseits vom kommerzialisierten Mainstream eigene kulturelle Alternativen aufzubauen und Freiräume zu schaffen, die sich soweit wie nur irgend möglich, der kapitalistischen Verwertungslogik entziehen. Wenn letzten Endes Geld und Macht über die Existenz solcher Projekte entscheiden und Menschen, die über diese Mittel nicht verfügen (wollen), von der Entscheidungsfindung ausgeschlossen werden, zeigt das einmal mehr die Totalität dieses Systems. Es gilt, unsere Freiräume aktiv zu verteidigen und wenn nötig, zurückzuerobern. Unterstützt diesen Kampf – ob in den Straßen von Kopenhagen oder in der Fußgänger_innenzone eurer Kleinstadt!

Danke an die Fotograf_innen!