10. November 2006
Gedenken an die Reichspogromnacht in Greifswald

Mit unterschiedlichen Veranstaltungen gedachten in Greifswald zahlreiche Menschen den Opfern der Reichspogromnacht am 9./10.November 1938. Vor 68 Jahren kam es, wie überall im Deutschen Reich, auch in Greifswald zu gewaltsamen Angriffen auf jüdische Geschäfte und Wohnungen durch Nationalsozialisten.
Unter dem Motto “Jeder Mensch hat einen Namen“ versammelten sich um 13 Uhr ungefähr 30 Personen an der Gedenkttafel für die jüdische Gemeinde in Greifswald. Dort wurden Gedichte und Texte mit musikalischer Umrahmung vorgetragen. Zuvor legten Aktivist_innen der Antifaschistischen Aktion Greifswald ein Gesteck mit der Aufschrift „In Gedenken an die Opfer der Shoa“ nieder. Den andächtigen Höhepunkt des stillen Gedenkens stellte die Verlesung der Namen aller jüdischen Gemeindemitglieder, die bis 1938 in Greifswald lebten, dar.
Am späten Nachmittag fand eine weitere Aktion in der belebten Fußgängerzone statt. Einige Antifaschist_innen postierten sich mit einem Transparent an der Stelle, wo es vor 68 Jahren zur Demolierung eines, von jüdischen Menschen, betriebenen Herrenbekleidungsgeschäftes und eines Korsettgeschäftes kam und informierten Passanten über das Geschehene. Das Informationsmaterial wurde von vielen interessiert angenommen, Kommentare wie“Das ist doch
Papierverschwendung“ oder „Für die haben wir schon genug bezahlt“ blieben die Ausnahme.
Auch die abendliche Autorenlesung in der Stadtbibliothek, bei der Uwe Seltmann sein Buch „Schweigen die Täter, reden die Enkel“ vorstellte, war gut besucht. Der Autor beschrieb eindrucksvoll die schwierige Auseinandersetzung mit dem Wirken seines Großvaters im Nationalsozialismus und stellte dabei heraus, dass eine Beschäftigung mit der Vergangenheit auch heute noch notwendig und unumgänglich ist.