14. Mai 2005
Proteste gegen den Naziaufmarsch in Schwerin

Ein verwirrter Blick auf den Stadtplan, dann geht es los. Eine Straße wird abgesperrt, eine Handvoll Antifaschist/innen kommt nicht weiter. Doch dann lassen die Polizist/innen die Leute durch, ziehen selber ab.

Die Beamt/innen, die am 14. Mai einen Neonazi-Aufmarsch durch die verwinkelte Schweriner Innenstadt lotsen mußten, waren stellenweise planlos. Doch offensichtlich mangelte es nicht wenigen von ihnen auch an der Motivation, für die gerade einmal 100 Rechtsradikalen die Straßen frei zu machen. So gelang es nicht nur etwa 200 Bürger/innen, mit einer Blockade die Demonstration aufzuhalten, sondern auch den knapp 100 Antifas immer wieder, entlang der Route gegen die Neonazis zu protestieren.

Diese waren einem Aufruf der Mecklenburgischen Aktionsfront, des Sozialen und Nationalen Aktionsbündnis Pommern und der NPD des Landes gefolgt, gegen die EU-Verfassung zu demonstrieren. Da sie internationale Machtpolitik und damit die bedeutende Rolle, die die Europäische Union für die Bundesrepublik besitzt, nicht verstehen, gingen sie gegen die EU, Globalisierung, Fremdbestimmung, „Raubtierkapitalismus“ und sowieso für ihren „Sozialismus“, den nationalen, auf die Straße.

Erklärtes Ziel der Neonazis ist es gewesen, die PDS von Mecklenburg-Vorpommern zur Beibehaltung ihres aktuellen Kurses, die Zustimmung zur EU-Verfassung im Bundesrat zu verweigern, zu zwingen. Die Partei, die sonst Ziel rechtsradikaler Gewalt wie jüngst in Neustrelitz oder propagandistischer Kampagnen ist, dürfte mit ihren ungewollten Bündnispartnern wenig anfangen können. Denn sowenig, wie die demokratischen Sozialisten mit einem „nationalen Sozialismus“ zu tun haben, werden sie sich von einer Handvoll Rechtsradikalen beeindrucken lassen. Da können sie sich noch so oft durch Schwerins Gassen lotsen lassen.