15. Oktober 2006
Aktionen zum Unijubiläum in Greifswald

Die Universität Greifswald zelebriert am 16. und 17. Oktober das 550 jährige Jubiläum der Alma Mater. Seit 1933 heißt sie nach Ernst-Moritz Arndt – glühender Nationaler, Hasser von Franzosen und Polen und last but not least ein offener Antisemit.
In den vergangenen Jahren gab es hitzige Diskussionen um den Namen der Universität, aber bis dato will sich die Universität nicht von der menschenverachtenden Ideologie trennen, für die Arndt steht. Das gefällt einigen nicht.
In der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober wurde die Vorderseite des Uni-Hauptgebäudes mit den Worten ‚E. M. Arndt = Anitsemit‘ besprüht. Mit ihrer Aktion beziehen sich die Sprüher ohne Zweifel auf die Gedanken für die der Name Ernst Moritz Arndt, nach dem die Universität seit 1933 benannt ist. Anlass der Aktion ist das 550jährige Jubiläum der Universität, das am 16. Oktober und besonders am 17. Oktober unter Anwesenheit von Bundespräsident Köhler, Königin Beatrice von Schweden und Ministerpräsident Ringstorff gefeiert werden soll.
Ernst Moritz Arndt kann als der geistige Hauptbaumeister des Konstrukts der deutschen Nation gesehen werden, inklusive Antisemitismus, Biologismus und Rassismus. Der ‚Deutscheste aller Deutschen‘ (die Zeit: http://www.zeit.de/zeitlaeufte/fataler_patron) lehrte für mehrere Jahre an der Universität Greifswald – deshalb die Verbindung und der Stolz.
Obwohl der Name an der Universität umstritten ist, wurde er bis heute beibehalten – so schnell möchte man sich in dieser schönen Region, nicht von den Idealen des Rassismus und des Antisemitismus trennen. Nebenbei, der Name ist eigentlich ganz passend, kann er doch als ein für Symptom der Universität, Stadt und der Region Vorpommern gesehen werden.
In der Universität haben die Ideen des ideelen Gründers der Burschenschaften, in eben diesen immer noch Konjunktur. Besonders bei den zwei Burschenschaften Rugia und Markomannia, die beide Kontakte zum Milieu militanter Faschos haben, wenn sie nicht selber Burschis sind.
Und Stadt und Region zeigten bei der letzten Landtagswahl ihr wahres Gesicht, als die NPD durchgehend über 5 Prozent der Stimmen und in einigen Ortschaften über 30 Prozent gewann.
Es ist unerträglich, dass die Universität seit über siebzig Jahren an dem Namen festhält, der in Zeiten nationalsozialistischer Herrschaft unter vorauseilendem Deutschgetümel übernommen wurde. Gerade, weil doch die Worte Arndt’s eine so deutliche Sprache sprechen, dass sich eine Diskussion erübrigen sollte.
Hier nur ein paar Schmankerl (entnommen von de.wikipedia.org):
„Man sollte die Einfuhr der Juden mit ihrem Schmutz und ihrer Pest verbieten.“
„…Die Juden als Juden passen nicht in diese Welt und in diese Staaten hinein, und darum will ich nicht, daß sie auf eine ungebührliche Weise in Deutschland vermehrt werden. Ich will es aber auch deswegen nicht, weil sie ein durchaus fremdes Volk sind und weil ich den germanischen Stamm so sehr als möglich von fremdartigen Bestandteilen rein zu erhalten wünsche. […] Ein gütiger und gerechter Herrscher fürchtet das Fremde und Entartete, welches durch unaufhörlichen Zufluß und Beimischung die reinen und herrlichen Keime seines edlen Volkes vergiften und verderben kann. Da nun aus allen Gegenden Europas die bedrängten Juden zu dem Mittelpunkt desselben, zu Deutschland, hinströmen und es mit ihrem Schmutz und ihrer Pest zu überschwemmen drohen, da diese verderbliche Überschwemmung vorzüglich von Osten her nämlich aus Polen droht, so ergeht das unwiderrufliche Gesetz, daß unter keinem Vorwande und mit keiner Ausnahme fremde Juden je in Deutschland aufgenommen werden dürfen, und wenn sie beweisen können, daß sie Millionenschätze bringen.“ (zitiert nach „Weltgeschichte im Aufriß“, Bd. 2, Verlag Diesterweg, Frankfurt/Main 1978, S. 191)
„Es waren die sogenannten Philanthropen, Kosmopoliten in ihren Träumen […] und wenn man will veredelte Juden […]; sie schlossen die ganze Welt in den weiten Mantel ihrer Liebe ein, aber übersahen nur, daß die Leute zu Hause froren.“ (zitiert nach „Fataler Patron“ in Die Zeit, 5. November 1998)
Dank an die Sprayer, dass sie das Thema wieder auf den Tisch bringen. Es ist Zeit, dass sich die Universität Greifswald vom Antisemitismus und Rassismus distanziert und den Namen ablegt.

Dank an NeuGreifswalderIn für Bericht und Fotos.