16. Januar 2005
Artikel zum NPD Fußballturnier in Ückeritz

Am 16.1. plante die neonazistische Partei NPD, Kreisverband Ostvorpommern, ein Fußballturnier in Greifswald. Dies gab sie über ihre Internetseite bekannt. Genauer Ort und Zeitpunkt wurden nicht veröffentlicht, dafür aber, dass die Einnahmen an ein Wohnprojekt in Salchow fliessen sollten. Ehrenamtliche und solidarische Veranstaltungen wie diese sind angesichts sinkender öffentlicher Ausgaben für Jugend- und Sozialarbeit im Grunde gut und zu befürworten. Doch wenn die NPD solch ein Turnier ausrichtet, ist vorauszusetzen, dass es nicht nur um Fußball geht.

Diese Partei versucht mit immer neuen Strategien ihr Image der braunen brutalo Horde abzulegen. Dabei geht es der Partei anscheinend aber nicht darum die Gewalt aus den eigenen Reihen zu mindern, denn die ständig steigenden Zahlen der rassistisch motivierten Übergriffe und Straftaten und das gerade erst geschlossene Bündnis mit den Kameradschaften, zu deren politischen Mitteln vor allem Gewalt zählt, sprechen dagegen. Ihr Ziel ist es einzig sich selbst und ihrer menschenverachtenden, antidemokratischen Ideologie ein Forum unter den Bürgern zu schaffen. Derartige Veranstaltungen dienen nur dem Zweck weitere junge Menschen in ihren braunen Sumpf zu ziehen. Auf solch scheinbar unpolitischen Veranstaltungen, bei denen man die „netten Kameraden“ kennenlernen soll, folgen schnell Veranstaltungen zur Indoktrination. Indoktrination durch ausgefeilte Propaganda, ähnlich einem Verkaufsgespräch. In den letzten Jahren ergänzten die Rechtsextremisten die eben beschriebene Strategie durch das Verstecken hinter neutral klingenden Namen wie beispielsweise „Heimatbund Pommern“, „Schöner Wohnen und Leben in Ueckerrandow“ und „Verein für Volksaufklärung“, um in neutraler Tarnung auf Mitgliederfang zu gehen.

Als weiterer Punkt sticht die Adresse ihrer „Solidarität“ ins Auge, das sogenannte „nationale Wohnprojekt Salchow“. Einem Ort, an dem schon mehrfach der Verfassungsschutz durch Razzien gegen die rechtextremistische Szene aktiv geworden ist. Einem Haus, das von Neonazis als Treffpunkt und Veranstaltungsort benutzt wird. Also einem Objekt von mehr als zweifelhaften Ruf, von dem aus die Ewiggestrigen ihre Lügenpropaganda in der Region verbreiten können. Die Stadt Greifswald und das Land Mecklenburg-Vorpommern entschieden sich deshalb, dass es für die Touristen- und Universitätsstadt nicht vorteilhaft ist, sich einen Ruf als Hort des Rechtsextremismus zu schaffen und kündigten rechtliche Schritte gegen des Fußballturnier an. Leider ist ihr Handeln in diesem Punkt ambivalent, da sie zugleich durch Verbote und Verordnungen ehrenamtlichen, alternativen Jugendprojekten die Freiräume nehmen. Wir fordern sie somit auf, sich verstärkt für ein buntes und tolerantes Greifswald einzusetzen.

Nach umfangreicher Recherche stellte sich heraus, dass das ursprünglich in Greifswald angekündigte Fußballturnier, doch auf der Insel Usedom, in Ückeritz stattfinden soll. Glück gehabt, werden einige GreifswalderInnen jetzt denken. Bleibt uns doch damit das unschöne Bild einer fußballspielenden Neonazihorde erspart. Ein Grund zur Entwarnung ist dies dennoch nicht, da die Entwicklung der rechten Szene auch an Greifswald nicht einfach vorbeizieht und das rassistische Denkmuster auch hier in unserer Stadt Nährboden finden. Es ist deshalb um so wichtiger sich von neonazistischen Gedankengut zu distanzieren und somit ein Zeichen für ein weltoffenes und tolerantes Greifswald zu setzen, in der für die NPD und andere Neonazis, unter welchem Namen sie auch auftreten, kein Platz ist.