16. September 2006
“Keine Stimme den Nazis” Demo in Schwerin

Etwa 130 Menschen protestierten heute mit einer Demo durch Schwerin gegen den Landtagswahlkampf der NPD. Anschließend fand ein Straßenfest mit DJs und Livemusik statt. Am Rande eines NPD-Infostandes in der Stadt versuchten Rechtsradikale mit Metallstangen bewaffnet Protestierer anzugreifen.
Eine Gruppe von Menschen wollte am späten Nachmittag vor dem Schweriner Schloss gegen eine Kundgebung der NPD protestieren, als deren Wahlkampfhelfer plötzlich mit Metallstangen und Fahnenstöcken auf sie losgingen. Der bekannte und mehrfach vorbestrafte Neonazi Thomas Wulff, Direktkandidat für Schwerin und persönlicher Referent des NPD-Chefs, drohte einzelnen Teilnehmern gezielt Gewalt an. Die Betroffenen ließen sich von den Bedrohungen jedoch nicht abhalten und protestierten bis zum Ende der rechten Kundgebung gegen 18 Uhr.
Während des Wahlkampfes der NPD ist es immer wieder zu Übergriffen der Rechten gekommen. „Die Neonazis haben nun auch einen Tag vor der Wahl ein weiteres Mal gezeigt, wie sie Politik zu machen pflegen“, meint Maria Hinrich, Pressesprecherin der Kampagne „Keine Stimme den Nazis“, zu den Vorfällen. „Während sie sich einerseits in biederer Demagogie üben, sind sie ohne Bedenken zu Gewalttaten gegen ihre Kritiker bereit.“
Vorher hatte zum Ende der landesweiten Kampagne „Keine Stimme den Nazis“ eine Demonstration in der Schweriner Innenstadt stattgefunden. In Redebeiträgen und mit Flugblättern machten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Gefahren der NPD aufmerksam. Anschließend begann in einem Schweriner Kulturprojekt ein Open-Air gegen Rechts, bei dem die DJs Soundgranulat und Bitslave mit elektronischer Musik aufwarteten und zur Stunde die Bands Passadeena aus Rostock Emorock und Budcillus & die Antikörper aus Berlin Jazz aufspielen.
„Seit vier Monaten hat unsere Kampagne im ganzen Bundesland auf den Wahlkampf der NPD und ihre menschenverachtende Propaganda aufmerksam gemacht“, teilt Clemens Zeise, Pressesprecher der Kampagne „Keine Stimme den Nazis“, mit. „Auch heute in Schwerin sind wir mit den Wählerinnen und Wählern ins Gespräch zu kommen. Uns sind während der Kampagne vielzählige und vielfältige Aktionen gelungen. Selbst wenn die NPD morgen in den Landtag einziehen sollte, wissen wir, dass wir dazu beigetragen haben, die breite Öffentlichkeit für das Problem der rechten Szene im Land zu sensibilisieren.“
Die Kampagne „Keine Stimme den Nazis“ wurde von mehr als 40 nicht-rechten und alternativen Clubs, Bands und Initiativen aus dem ganzen Bundesland unterstützt. Sie verteilte in den vergangenen Monaten in großem Umfang Infomaterial gegen die NPD und wies mit Aktionen wie Straßenfesten oder Demos in Neustrelitz, Güstrow, Wismar, Grevesmühlen, Stralsund, Rostock, Neubrandenburg und zuletzt Schwerin auf die Neonazi-Szene in den einzelnen Orten hin.

Ein Bericht der „Keine Stimme den Nazis“ Kampagne.