19. August bis 27. September 2004
„Kapitalistische Verhältnisse überwinden“ Anti Hartz4 Proteste in Greifswald

19.08.2004
An diesem Donnerstag veranstaltete der DGB die 1. Protestkundgebung gegen Hartz 4 in Greifswald. Dem Aufruf der „Gewerkschaft“ folgten rund 1000 BürgerInnnen und auch die FAU war mit einem Transpi dabei. Die Redner waren der DGB-Kreisvorsitzende Heiko Langner, Gewerkschaftler wie Thomas Möller und Karl-Dieter-Schmidt, sowie der PDS-Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Bartels.
Wie schon vorher in anderen Städten zu beobachten war, versuchten auch NPD’ler aus MV die Kundgebungsteilnehmer durch Flugblätter für ihre menschenverachtende Hetze zu gewinnen. Da die Veranstalter , die beiden NPD Fahnen offensichtlich nicht bemerkten (wollten), wurden sie von mehren GreifswalderInnen energisch dazu aufgefordert sich von den Rechtsextremisten zu distanzieren. Dieser Aufforderung kamen sie am Ende der Kundgebung nach.

26.08.2004
Eine Woche später gab es die nächste Anti-Hartz-Kundgebung vom DGB. Es waren wieder rund 1000 BürgerInnen anwesend. Die NPD hatte trotz Aufruf im Internet nur rund 16 Kameraden mobilisieren können, die mit 3 NPD Fahnen auf dem Marktplatz standen. Aber auch die Antifas mobilisierten und so kamen circa 50 Autonome, Linke und Punks.
Der Veranstalter distanzierte sich diesmal gleich zu Beginn von „den braunen Rattenfängern.“ und forderte alle BürgerInnen auf, sich diesem Aufruf anzuschließen.Jedoch fiel das abgesprochene Pfeifkonzert aus, da dazu keine Aufforderung an die Bürger kam.
Diesmal sprachen der DGB Chef Vorpommern und der Betroffene Hans Knop.
Die Neonazis versuchten erneut Flugblätter zu verteilen, welchen ihnen jedoch von einigen Antifas abgenommen wurden. Durch weitere Aktionen (z.B. Konfetti etc.) wurde den Neonazis, ihre Anwesenheit so unangenehm wie möglich gemacht. Von Greifswalder AntifaschistInnen wurden rund 150 Flugblätter verteilt.
Während der Demo filmte der Verfassungsschutz das Geschehen aus dem Rathaus heraus, wie es am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen war (verdeckte Ermittler, ihr seid super!).

2.9.2004
Auch an diesem Donnerstag wurde wieder demonstriert gegen Sozialabbau und Hartz IV, wobei ungefähr 700 Leute kamen. Dieses Mal redete Thomas Möller, Mitglied im DGB. Ebenfalls sprachen an diesem Tag die Betroffenen Thomas Carls und Clemens Bänsch. Anscheinend hatten die Nazis aus der Vorwoche gelernt, denn auf dem Marktplatz sammelten sich rund 30-40 KameradInnen, die mit 2 NSAM Transparenten auffielen.Ebenfalls waren sie äußerst lebendig beim Fotografieren von Antifas, sowie beim Verteilen von Flugis. Außer dem Verteilen von Flugblättern konnten die Antifas, aufgrund deutlicher zahlenmäßiger Unterlegenheit, nichts gegen starke Präsenz der Neonazis tun.
Zum Ende der Kundgebung gab es dennoch eine schöne direkte Aktion von 3, unbekannten als Pippi Langstrumpf verkleideten, AntifaschistInnen, welche lauthals singend um die Nazis herumtanzten und mit Konfetti warfen. Zum Schluß bekam ein in HGW bekannter Neonazi, noch eine Torte ins Gesicht. Daraufhin gab es eine Anzeige vom Be(/Ge)troffenen, die Täterinnen konnten jedoch entkommen.

6.9.2004
Dies war die erste Demo an einem Montag, womit sich die Greifswalder den Trend der Montagsdemos anschlossen. Leider kamen auch weniger Leute als sonst zum Markt, nämlich nur an die 500. Die Redner waren an diesem Tag Erich Neumann, welcher Sprecher des Erwerbslosenbeirats ist, ebenso wie Ver.di-Mitarbeiter Bodo Waranowski und Heiko Langer. Die Nazis schienen genug von den Demos zu haben, denn es waren lediglich 3 anwesend, die jedoch weder Fahnen noch Flugblätter mitgenommen hatten. Im Gegensatz hierzu wurden von Seiten der Antifas weiterhin fleißig Flugblätter verteilt.

13.9.2004
An diesem Montag ging es wieder zum Markt zu einer weiteren Demo gegen Hartz IV, allerdings waren noch weniger Leute da, als eine Woche zuvor. Der DGB hatte einen Redner geschickt, die Kirche auch, ebenso wie die PDS. Der PDS-Redner Rudi Duschek thematisierte die Wahlerfolge der NPD in Sachsen und beschäftigte sich mit der „Protestwahlthese“. Auch dieses mal traten die anwesenden Neonazis nicht öffentlich auf. Flyer konnten jedoch von der linken Seite gut verteilt werden.
Im Anschluss an die Protestkundgebung gab es eine Spontandemo zur Europakreuzung mit eingebundener Kreuzungsbesetzung. Die BürgerInnen liefen alle im Kreis umher, während es sich die Antifas in der Mitte der Kreuzung unter der schwarzen Fahne gemütlich machten. Insgesamt kann man sagen, dass die Demo sehr ruhig und leise verlief (sogar vor der SPD Zentrale). „Alles für Alle und zwar umsonst.“ u.ä. Sprechchöre konnte mensch von Seiten der Antifas hören.

20.09.04
Der Regen an diesem Montag schien dafür zu sorgen, dass die Demo nur schlecht besucht wurde. Attac, welche bisher nur Kundgebungen mitorganisiert hatten, stellten diesmal eine Rednerin. Zusätzlich sprachen ein Arbeitsloser, sowie ein DGB-Mitglied. Dieser verurteilte den rechten Parteienzuwachs, insbesondere in Sachsen und Brandenburg.
Die Greifswalder Neonazis schienen gänzlich ihr Interesse am Protest verloren zu haben.

27.9.04
Konnten zu Beginn der Hartz 4 Proteste noch 1000 Menschen mobilisiert werden, kamen zu dieser letzten Kundgebung nur noch etwa 250, was mensch unter anderem mit dem schon seit langem ritualisierten Ablauf der Proteste begründen kann. Es redete u.a. eine Frau der Stralsunder Arbeitslosenberatung „Dau Wat“, die, wie schon viele RednerInnen vor ihr, die Politiker scharf kritisierte. Außerdem wurde wieder für die Großdemonstration am 2.10. in Berlin mobilisiert.
Bis auf vereinzelte Zwischenrufe „stolzer Deutscher“ verlief diese Kundgebung ruhig und friedlich.