19. Juli 2007
Flugblattaktion gegen Nazishops in MV

In vielen Städten Mecklenburg-Vorpommerns haben Antifaschist/innen heute mit tausenden Flugblättern auf Läden aus und für die Neonazi-Szene hingewiesen. In allen Regionen des Bundeslandes werden von Mitgliedern der Szene inzwischen erfolgreich mit der menschenverachtenden Ideologie der Rechten Geschäfte gemacht.
„Wir wollen mit unseren Aktionen die Öffentlichkeit sensibilisieren“, teilt Caroline Jürgens, Pressesprecherin der verschiedenen antifaschistischen Gruppen, mit. „Fast überall im Land gibt es inzwischen Umschlagplätze für die Hasspropaganda der Neonazis. Proteste von Anwohnerinnen und Anwohnern in Wismar und Rostock zeigen jedoch, dass es möglich ist, sich gegen Nazi-Läden zu wehren und sogar ihre Schließung zu erreichen.“
Von den Antifaschist/innen aus verschiedensten Gruppen wurden in Rostock, Wismar, Grevesmühlen, Güstrow, Neubrandenburg, Gnoien, Strasburg, Stralsund und Anklam mehrere tausend Flugblätter verteilt. In allen Städten gibt es rechte Szene-Shops. In Neubrandenburg sollten mögliche Vermieter/innen von Geschäftsräumen gewarnt werden, um eine Neueröffnung eines einschlägen Ladens zu verhindern. Auf den Handzetteln wird auf die Bedeutung der Geschäfte für das rechtsradikale Milieu, die Verquickung mit der NPD im Schweriner Landtag und die rechte Modemarke „Thor Steinar“ hingewiesen. Außerdem wird darüber informiert, wie Anwohner/innen gegen die Neonazi-Läden protestieren können.
Im Internet sind darüber hinaus auf der Internetseite links-lang.de ausführliche Informationen über das Netz von Neonazi-Läden im Land verfügbar.
In Rostock protestieren die Antifaschist/innen gegen den Laden „East Coast Corner“ der Hamburger Neonazis Torben Klebe und Thorsten de Vries. Seit mehreren Wochen kommt es in der Stadt immer wieder zu Aktionen gegen das Geschäft. In Wismar richteten sich die Flugblätter gegen ein Netzwerk von Neonazis, das neben einem Ladengeschäft einen Versandhandel, ein Tattoo-Studio und sogar ein Hausprojekt betreibt. Nahe Grevesmühlen ist in dem Ort Plüschow ein rechter Versandhandel angesiedelt. Ein rechter Szene-Shop in Güstrow ist in der Eisenbahnstraße beheimatet. In der Stadt kommt es seit einiger Zeit zu Protesten gegen Rechts.
In Gnoien hat erst kürzlich ein rechter Szene-Shop in der Friedensstraße eröffnet, der die einschlägige Kleidungsmarke „Thor Steinar“ vertreibt. In Stralsund gibt es mit dem „Sonnenbanner“ und „Headhunter Streatware“ inzwischen sogar zwei Geschäfte für die Szene. In Anklam existiert schon seit mehreren Jahren der Laden „New Dawn“, der eng mit der lokalen Neonazi-Szene verknüpft ist. In Strasburg gibt es seit zwei Jahren den Laden „Youngland“, wo neben rechter Kleidung auch NPD-Propaganda über die Theke geht. In Neubrandenburg informierten Antifaschist/innen potenzielle Vermieter/innen von Geschäftsräumen. Damit soll die Neueröffnung des Ladens „Most Wanted“ an anderer Stelle verhindert werden, nachdem dessen bisheriger Standort in der Pfaffenstraße vor einigen Tagen geschlossen hat.
Weitere Geschäfte von Neonazis gibt es auch in anderen Städten: So betreibt Doris Zutt, Mitglied im Bundesvorstand der NPD, seit Jahren ungestört den rechten Gemischtwarenladen „Zutt’s Patriotentreff“ in Waren-Müritz. In Schwerin hat erst kürzlich der „Thule Store“ mit Verbindungen in die Berliner Neonazi-Szene eröffnet.
„Wo Neonazis ungestört Läden betreiben können, verdienen sie nicht nur prima im wachsenden Markt rechter Kleidung, Musik und Accessoires“, teilt Tobias Albrecht, Pressesprecher der Antifa-Gruppen, mit. „Von diesen Orten aus wird menschenverachtende Propaganda verbreitet. Jeder Normalisierung von Volksgemeinschaftswahn, Herrenmenschentum und Kriegsbegeisterung gilt es jedoch entschieden entgegenzutreten. Nazi-Läden gehören nicht in die Innenstädte Mecklenburg-Vorpommerns, sondern geschlossen!“

Eine Pressemitteilung antifaschistischer Gruppen aus MV.