2. November 2006
Antifa Halloween Crew in Greifswald unterwegs

Am Abend des 31. Oktobers zogen in Greifswald einige verkleidete Aktivist_innen los, um den überregional bekannten Neonazikader Lutz Giesen in seiner Plattenbauwohnung im Ostseeviertel einen Besuch abzustatten. Um die Anwohner über die rechtsexremen Aktivitäten ihres „nasty neighbors“ aufzuklären, wurden die Briefkästen mit Outingflyern bestückt.
Weiterhin wurde der Versuch unternommen, mit Lutz Giesen persönlich ins Gespräch zu kommen. Dieser öffnete jedoch trotz mehrfachem Klingeln, Klopfen und Rufen nicht die Tür, sondern begnügte sich mit einem kurzen Blick durch den Spion. Nachdem die restlichen Outingflyer vor seiner Tür verteilt wurden, machte sich die Antifascist Halloween Crew auf den Rückweg. Ein überrascht dreinblickender Giesen schaute ihnen von seinem Fenster aus hinterher.

Who the fuck is Lutz Giesen?
Lutz Giesens Neonazikarrerie begann in den 90er Jahren in Berlin. Dort baute er die Kameradschaft Germania mit auf und machte durch sein Auftreten als Redner auf zahlreichen Demonstrationen und Anmelder diverser Neonazikundgebungen auf sich aufmerksam. 2002 verzog er nach Hamburg, musste die Stadt jedoch bereits zwei Jahre später mit dem Ruf als „Mietnomade“ wieder verlassen.
Seit 2004 wohnt Lutz Giesen nun in der Hansestadt Greifswald und agiert als einer der führenden Köpfe des „Nationalen und Sozialen Bündnis Pommern“. Weiterhin ist er in der, an die HJ angelehnte, „Heimattreuen Deutschen Jugend“ aktiv und pflegt gute Kontakte zur örtlichen Burschenschaft Rugia.
Im Dezember 2005 hielt er im schwedischen Salem vor rund 1400 Neonazis eine Rede in der er von einem „geplanten Krieg auf den europäischen Straßen“ sprach, „indem Fremdrassige und Linke täglich unschuldige Weiße ermorden.“.
Beim diesjährigen Landtagswahlkampf erfuhr die NPD durch ihren „Neuzugang“ (Giesen trat im Frühjahr ´06 ein) rege Unterstützung. Ein Listenplatz war jedoch für den mehrfach, unter anderem.wegen schwerer Körperverletzung, vorbestraften Giesen nicht drin. Auch auf den Posten als Referent eines NPD Landtagsabgeordneten muss der bekennende „nationale Sozialist“ laut Naziinternetseiten wohl verzichten, da er in nächster Zeit eine Haftstrafe antreten muss.