24. Januar 2008
Aktion in Gedenken an Jan Kucera in Greifswald

Wir hatte den Tod des Antifaschisten Carlo in Spanien kaum richtig überwunden, als wir über das Internet von dem Mord an Jan Kucera erfuhren. Wir waren und sind geschockt. Obwohl wir Jan nicht kannten, löste sein Tod in uns tiefes Entsetzen aus. Er wurde aufgrund seiner Überzeugung ermordet; umgebracht weil er sich einem bewaffneten Neonazi in den Weg gestellt hat. Unsere Trauer ist riesig, unsere Wut grenzenlos! Hass beschreibt wohl am besten das Gefühl, was wir für Faschisten übrig haben. Ihre skrupellosen Grausamkeiten werden nicht ohne Konsequenzen bleiben. Denn sie waren es, die die Auseinandersetzung provozierten. Sie waren es, die Jan aus dem Leben rissen und ihm das Leben nahmen. Unsere Gedanken sind bei den Freund_innen und denjenigen bei denen Jan eine leere Stelle hinterließ .

Kein Vergeben – Kein Vergessen!

Am 14. Februar kam es in Russland erneut zu Gewalttaten gegenüber Menschen, die nicht in das extrem nationalistische Gesellschaftsbild der russischen Neonazis passen. Zum wiederholten Male wurde ein antifaschistischer Skinhead durch einem Angriff auf die gleichzeitig stattfindende schwul-lesbische Parade in Moskau lebensgefährlich verletzt. In den letzten zweieinhalb Jahren wurden 122 Menschen von Rassisten und Faschisten ermordet. Die Zahl der von Neonazis begangenen Morde in Russland stieg in den letzten Jah¬ren immens an. Nicht nur Migrant_innen sehen sich mit einer zunehmenden Gefährdung ihres Lebens konfrontiert, sondern auch Antifaschist_in¬nen sind oftmals Opfer militanter Nazis. Laut dem antirassistischen „SOVA Center“ gab es im Jahr 2006 in Russland 54 Morde mit rassistischen und neonazistischen Hintergrund. Tatsächlich dürfte diese Zahl jedoch weit aus höher liegen, denn eine offizielle Statistik gibt es nicht. Jede_r der/die ins Feindschema der Neonazis passt, kann dabei zum Angriffsziel werden. Das betrifft vor allem Personen, die Rechtsextreme als „nicht-slawisch“ identifizieren. Ein Grund dafür, dass die Gewalt in Russland solche Dimensionen erreichen kann, ist die ständige Verharmlosung ihrer Verbrechen durch die Behörden. Oftmals werden die politischen Gewalttaten von der Regierung und der Polizei entpolitisiert und unter der Kategorie ,,Hooliganismus“ geführt. Menschen, die sich aktiv gegen die Nazis stel¬len, werden dagegen von staatlichen Stellen kriminalisiert.

So wurde im Jahre 2006 ein neues Anti-Extremismusgesetz verabschiedet, welches eigentlich der antisemitischen und rassistischen Gewalt in Russland Einhalt gebieten sollte. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus: Das neue Gesetz dient lediglich dazu, der Exekutive noch mehr Möglichkeiten in die Hand zu geben, um gegen regimekritische Aktivist_innen vorzugehen. Schon die Durchführung einer unangemeldeten Demo kann zur Anwendung des Extremismusparagraphens führen.

Die Mischung aus Zustimmung und Gleichgültigkeit aus weiten Teilen der Gesellschaft, vor allem der Behörden, ist ein Grund für das Erstarken der extremen Rechten. Auch deshalb bedarf die Arbeit der ortsansässigen Antifaschist_innen unserer Solidarität. Die Leute leben in einer ständigen Angst und müssen aufgrund ihrer politischen Arbeit um ihr Leben fürchten. So gab es im Dezember 2006 sogar einen versuchten Bombenanschlag auf das Haus eines Moskauer Antifaschisten. Damit reiht sich der versuchte Mord vom 14. Februar an dem antifaschistischen Skinhead in eine lange Reihe von Gewalttaten gegenüber Antifaschist_innen ein.

Den russischen Antifas bedarf es unserer grenzenlosen Solidarität! In diesem Sinne: Keinen Fußbreit den Faschisten!