24. November 2008
Gedenken an Eckard Rütz in Greifswald

Am 24. November endeten die „Tu-Wat“-Wochen mit einer Gedenkveranstaltung für Eckard Rütz. Der Obdachlose wurde vor acht Jahren, in der Nacht vom 24. auf den 25. November 2000 von drei Neonazis zusammengeschlagen und schließlich ermordet. Da ein solcher Mord nicht in das Imagekonzept der Stadt und ihrer Vertreter_innen passte, gab es jahrelang kein öffentliches Gedenken an Eckard Rütz, bis sich vor zwei Jahren, angestoßen von der Antifaschistischen Aktion Greifswald, das Bündnis „Schon vergessen?“ gründete, dass im Speziellen das Gedenken an Eckard Rütz und allgemein eine aktive Gedenkkultur im Greifswald zu seinem Ziel machte. Nach einem Jahr des Engagements erreichte das Bündnis vor einem Jahr die Setzung eines spendenfinanzierten Gedenksteins, der dauerhaft an den Obdachlosen und seine brutale Ermordung erinnert. Doch damit sah das Bündnis seine Arbeit nicht als beendet an und fand sich auch dieses Jahr zu einem Gedenken zusammen. Um kurz nach 17 Uhr begann die Gedenkveranstaltung an der Mensa mit etwa 50 Besucher_innen. Nach einer Begrüßung durch eine Sprecherin des Bündnisses folgte die Rede des Bündnisses, die die sozialen und gesellschaftlichen Hintergründe des Mordes thematisierte und auf die Diskriminierungen und Anfeindungen hinwies, denen Obdachlose heutzutage alltäglich ausgesetzt sind. Anschließend sprach, wie schon im letzten Jahr, Dompfarrer Gürtler, der in seiner Rede auf die dieses Jahr in Greifswald verlegten Stolpersteine hinwies und an ihnen wie dem Gedenkstein an Eckard Rütz die Bedeutung des Gedenkens an Opfer der (neo-)nationalsozialistischen Ideologie aufzeigte. Nach der Rede folgte ein Moment des stillen Gedenkens und es gab die Möglichkeit, Kränze, Kerzen oder anderes am Gedenkstein niederzulegen. Abschließend folgte eine Rede der Greifswald’ Antifascist Youth, die die Verantwortung jede_s Einzelnen, einzugreifen und nicht wegzuschauen, aufzeigte und die Veranstaltung beendete.
Im Anschluss an die Gedenkverstaltung wurde im Foyer der Mensa ein Film über Obdachlose in Rostock gezeigt und anschließend mit dem Regisseur über seine Erfahrungen zu sprechen, die er während der Arbeiten an dem Film gemacht hat.
Wie zu erwarten, waren dieses Jahr, anders als im letzten Jahr, keine Vertreter_innen der Stadt anwesend. Die Offiziellen der Stadt scheinen auch acht Jahre nach dem Mord kein Interesse daran zu haben, eine Erinnerungs- und Gedenkkultur an die Opfer rechtsextremistischer Gewalttaten zu betreiben oder zu unterstützen.