25. Mai 2006
Aktionen zum Stiftungsfest der Rugia in Greifswald

In Greifswald wollte vergangene Woche die Burschenschaft Rugia anlässlich ihres 150 jährigen Bestehen ein Stiftungsfest veranstalten. Das manche Menschen den 150. Geburtstag einer Studentenverbindung, die für Nationalismus, Sexismus und Autoritarismus steht, nicht als Grund zum Feiern sehen, zeigten die vielseitigen Gegenaktivitäten an diesem Wochenende.
Die Burschenschaft Markomannia zog am Herrentag wie in den Jahren zuvor mit Bier und Bollerwagen auf den Marktplatz um dort ihre Männlichkeit zu begießen. Das öffentliche Saufgelage der Burschenschafter begann gegen 10 Uhr morgens und endete in den späten Abendstunden. Zu Beginn ließ mensch sich noch von filmenden Antifaschist_innen provozieren und zeigte sich sichtlich irritiert. Mit steigenden Alkoholpegel wurden jedoch zusehends andere Probleme wichtiger: Beispielsweise tat sich ein Markomanne nach dem ordnungswidrigen Urinieren in die städtischen Parkanlagen schwer, den Knopf zum Verschließen seiner Hose zu finden. Am späten Nachmittag dezimierte sich dann die Zahl der am Markt saufenden Burschis, man machte sich auf zu seinen Freunden von der Rugia, die in diesem Jahr leider nüchtern bleiben mussten, um ihr Stiftungsfest vorzubereiten.
Gegen 18 Uhr trudelten dann auch die letzten Gäste am Verbindungshaus der Rugia ein. Mit Kind und Kegel waren die Burschenschafter zum Teil sogar aus anderen Bundesländern angereist. Auf dem Programm für das Wochenende standen neben einem Mensurboden, ein festlicher Tanzabend, eine Bundesversammlung und ein Festkommers.
Schon im Vorfeld machten Antifaschist_innen auf die Bestrebungen der Rugia mit einer Pressemitteilung aufmerksam. Die Inhaber der Klosterschenke und des Mercure Hotels wurden über die Mieter ihrer Räumlichkeiten informiert und dazu aufgefordert, sich gegen die Burschenschaft zu positionieren und die Veranstaltungen abzusagen. Der Verantwortliche der Klosterschenke (Wolfgang Jochens), in der zahlreiche Veranstaltungen stattfinden sollten, meinte hierzu am Telefon, dass er die Rugia schon seit 15 Jahren kenne und mit ihr kein Problem habe. Offenbar in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag wurde besagte Klosterschenke dann von Unbekannten entglast, farblich umgestaltet und mit dem Schriftzug „Keine Party für Burschis“ versehen. Doch nicht nur dies stellte die Rugia vor organisatorische Probleme, auch das Mercure Hotel kündigte der Burschenschaft kurzfristig den Raum für ihren Festakt am Samstag. Der Raum für den festlichen Tanzabend einen Tag zuvor konnte aus rechtlichen Gründen nicht mehr zurückgezogen werden. Dafür musste sich die Burschenschaft an diesem Abend aber zurückhalten, denn das Personal war in erhöhter Alarmbereitschaft. Außerdem musste die Rugia im Vorfeld versichern, dass „rechtsradikale Elemente“ zu Hause bleiben. Andere angekündigte Aktivitäten wie der Mensurboden in der Aula waren schon im Vorfeld untersagt worden bzw. erfreuten sich wie z.B. die Karzerbesichtigung eher mäßigen Interesses.
Insgesamt kann gesagt werden, dass durch die Mischung aus Öffentlichkeitsarbeit und direkten Aktionen den Burschis ihre Feierlaune gut vermiest wurde. Für dieses Wochenende hat die Burschenschaft Markomannia ihr 7. Stiftungsfest angekündigt. Hoffentlich werden sie dabei genauso viel Spaß haben wie ihre Freunde von der Rugia letztes Wochenende.