25. November 2007
Einweihung des Gedenksteins für Eckard Rütz in Greifswald

Heute fand in der Hansestadt Greifswald die Einweihung des Gedenkstein für den, im Jahre 2000 von drei Neonazis, ermordeten Obdachlosen Eckard Rütz statt.

Rückblick:
Vor sieben Jahren, am 25. November 2000, wurde der Obdachlose Eckard Rütz von drei Neonazis brutal ermordet. Die Täter bekamen sieben bis zehn Jahre Freiheitsstrafe. Die Stadt, wie auch die Greifswalder Öffentlichkeit, versuchten den Mord zu entpolitisieren und zu verdrängen. Sie vergaßen somit auch das Gedenken an Eckard Rütz.
Im Jahre 2006 gründete sich das Bündnis „Schon vergessen?“ auf Initiative der Antifaschistischen Aktion Greifswald. Ziel des Bündnisses war und ist die Schaffung eines Gedenksteins und das Anstoßen eines Diskurses über Gedenkkultur in der Hansestadt. Nun ist das erste Ziel erreicht.

Gedenksteineinweihung
Um 11.00 Uhr heute morgen wurde der Gedenkstein an der Mensa gesetzt. Auf ihm steht geschrieben: „Zum Gedenken an Eckard Rütz – am 25. November 2000 von drei Jugendlichen mit rechtsextremer Gesinnung ermordet“. Nach einem Jahr anstrengender Arbeit konnten die Aktivist_innen nun heute morgen die Setzung miterleben. Um 16.00 Uhr fand dann die offizielle Einweihung durch das Bündnis „Schon vergessen?“ statt, welcher rund 60 Besucher_innen trotz Regens und Windes beiwohnten.
Die Veranstaltung begann mit der Begrüßung und einer anschließenden Rede des Bündnisses „Schon vergessen?“. In dieser wurde die Geschichte und der lange Weg des Bündnisses bis zum heutigen Tag beschrieben und in erster Linie auf Eckard Rütz, seinen Tod, sowie auf die Umstände seines Todes aufmerksam gemacht. Der Redner stellte aber auch heraus, dass dieser Gedenkstein nur ein erstes Etappenziel ist: Das Bündnis wolle sich auch weiterhin dafür einsetzen eine neue Gedenkkultur in der Stadt zu etablieren. Darauf folgte die Rede des Greifswalder Dompfarrers Gürtler. Er betonte besonders das Engagement der Aktivist_innen im Kampf um den Gedenkstein und führte an Hand aktueller Ereignisse auf, dass Greifswald noch längst keine neonazifreie Zone ist. Dem folgte eine Schweigeminute und die Kranzniederlegungen. Abschließend sprach ein Vertreter der Antifaschistischen Aktion Greifswald die mahnenden Worte. Auch hier wurde noch einmal die negative Haltung der Stadt im Umgang mit dem Mord an Eckard Rütz herausgehoben, sowie die reaktionäre Gedenkkultur der Stadt angeprangert. Beispielsweise blieb es nicht unerwähnt, dass die Stadt jedes Jahr metergroße Kränze für Wehrmachtssoldaten niederlegt, aber nicht ein mal in sieben Jahren Eckard Rütz und seinem Schicksal gedacht hatte. Weiterhin wurde auf den damals bestehenden und heute immer noch in der Gesellschaft vorherrschenden rassistischen Grundkonsens aufmerksam gemacht, aus dem heraus solche Taten überhaupt erst entstehen können. Die Rede endete mit einem Zitat aus dem Buchenwaldschwur „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung.“.
Gegen 17 Uhr endete die Gedenkveranstaltung, bei der zahlreiche Kerzen für Eckard Rütz angezündet wurden.
Auch der Oberbürgermeister Dr. Arthur König (CDU), sowie die Präventionsbeauftragte der Stadt Jutta Dembski waren anwesend. Für sie dürfte der Tag jedoch einen etwas bitteren Beigeschmack gebracht haben. Entschied sich doch das Bündnis schon im Vorfeld eindeutig dagegen den Bürgermeister zu Wort kommen zu lassen, musste sich Herr König nun vor den anwesenden Trauergästen massive Kritik an seiner Selbst und am Verhalten der Stadt im Umgang mit dem Neonazimord gefallen lassen.