27. Januar 2007
Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus

Anlässlich des 62. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee gedachte am 27.1.07 in Greifswald die Antifaschistische Aktion den Opfern des Nationalsozialismus.
Viele Passant_innen waren am Samstag vormittag in der Greifswalder Innenstadt unterwegs, als die Aktivist_innen Material über das „Jüdische Leben in Greifswald“ verteilten. Mit einem Transparent mit der Aufschrift „In Gedenken an die Opfer des deutschen Vernichtungswahns – Faschismus bekämpfen!“ erregten sie die Aufmerksamkeit vieler Bürger_innen. Diese nahmen die Broschüren zumeist interessiert auf, einige blieben stehen und dankten den Antifaschist_innen für ihr Engagement. Im Anschluss an die Verteilaktion wurden am ehemaligen Gebetshaus der Jüdischen Gemeinde und am Mahnmal „…“ am Wall Blumen nieder gelegt.
Leider blieben die Aktivist_innen der Antifa an diesem Tag die einzigen, die die Mahnmale aufsuchten und dort den Opfern gedachten. Die örtliche Politprominenz versammelte sich am Abend zu einem Vortrag über die „Verfolgung von Ernst Barlach und seinem Werk im Nationalsozialismus“, welcher von der Hansestadt in Kooperation mit der Universität organisiert wurde. Barlach lebte seit 1910 in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) und schuf zahlreiche Ehren- und Mahnmale, die an die Schrecken des Krieges erinnern sollten. Mit fadenscheinigen Begründungen gingen die Nationalsozialist_innen ab 1933 gegen diese Werke vor, demontierten sie in großen Maße und zerstörten sie teilweise. Die Veranstaltung, eröffnet von einer Rede des Greifswalder Oberbürgermeisters, Dr. Arthur König, fand unpassenderweise im Krupp Kolleg statt. Dessen Namensgeber Alfried Krupp von Bohlen und Halbach war seit 1931 förderndes Mitglied der SS und bekleidete im Nationalsozialismus zahlreiche Ämter (z.B. Wehrwirtschaftsführer, Präsidiumsmitglied der Reichsvereinigung Kohle, Vorsitzender der Reichsvereinigung Eisen, Mitglied des Rüstungsrats). Die Firma Krupp, die ihm 1943 übertragen wurde, hatte in der nationalsozialistischen Rüstungsindustrie eine bedeutende Funktion. Mehr als 100000 KZ Häftlinge und Zwangsarbeiter_innen mussten in den Fabriken unter unmenschlichen Bedingungen Kriegsgerät herstellen.