27. Mai 2006
Proteste gegen Nazidemo in Neubrandenburg

Unter den höchstens 200 angekarrten Nazis tummelten sich vor allem Aktivisten der Mecklenburgischen Aktionsfront [MAF], des Sozialen und Nationalen Bündnis Pommern [SNBP] und der NPD. Besonders hervor taten sich die so genannten „Autonomen Nationalisten“, die den Demonstrationszug anführten und von den rhetorisch und inhaltlich äußerst schlechten Rednern peinlich berührt worden waren, als diese versuchten verbale Attacken an die vermeintlich „verkleideten“ Gegendemonstranten zu entsenden, um im Eifer des Wortgefechts schließlich den eigenen Bildungsstand auf ihr Gegenüber zu projizieren. Der übergestülpte Autonomen-Stil ‚moderner’ Nazis beschränkt sich jedoch in den neonazistischen Kreisen MVs offenbar auf prolliges und anti-emanzipatorisches Verhalten und hat mit inhaltlichen Konzepten nichts gemein. Zu unserer Freude hatten darüber hinaus eben auch Redner wie Tino Müller und Michael Andrejewski auf Inhalte verzichtet, die Anwohner von Balkonien mit Polemik und Hetze beglückt und letztgenannter schwadronierte lieber über Kühlschränke und Waschmaschinen. Udo Pastors [wahlweise auch Pastörs], als groß angekündigter Redner und eigentlicher Spitzenkandidat der NPD, blieb dem gruseligen Treiben lieber gleich ganz fern. Stattdessen beglückte Lutz Giessen – der selbst wegen schwerer Körperverletzung verurteilt wurde – seine Anhänger mit Hetze gegen Migranten und revisionistischer Propaganda gegenüber der Shoa.

Die Polizeipräsenz fiel deutlich schwächer aus als in den Vorjahren, konnte aber mit zahlreichen Zivi-Cops glänzen. Der absolut friedliche Protest der Gegendemonstranten hielt die Polizeikräfte nicht davon ab willkürlich Platzverweise zu erteilen, mit brutalen Festnahmen gegen AntifaschistInnen vorzugehen und eine Sitzblockade mit Gewalt zu räumen. Um diesen Einsatz zu rechtfertigen wurde, im Vorfeld der Räumung, von der Polizei behauptet es wären Steine und Flaschen auf die Polizei geworfen worden. Mit zunächst positiv zu bewertenden Ambitionen versuchte Landtagspräsidentin Sylvia Brettschneider mit dem Einsatzleiter zu verhandeln und scheiterte gnadenlos indem sie die friedlichen DemonstrantInnen schließlich selbst dazu aufforderte, den gemütlichen Platz freiwillig zu verlassen und den Nazis die Straße zu überlassen.

Zwar wurde die Mobilisierung für Gegenaktivitäten nicht ganz ausgeschöpft, zumal effektive Blockaden jederzeit möglich gewesen wären. Erwähnt werden muss jedoch, dass AntifaschistInnen bereits im Vorfeld der Demo zehntausende Flugblätter gegen die NPD in der Stadt verteilten und die Straßen von Plakaten und Aufklebern der MAF säuberten.

Danke an die Bewegung 1101 für den Bericht und danke an die Fotograf_innen.