3. Februar 2007
Protest gegen Schweinemastanlage in Medow

Medow, ein 300 Seelen Ort mitten in der ostvorpommerschen Provinz. Weitläufige Felder prägen die Landschaft, Häuser und Scheunen hinterlassen den Eindruck, als wäre die Zeit hier stehen geblieben. Doch die Idylle trügt: In Medow stinkt es gewaltig.
Anfang 2006 errichtete der niederländische Investor Adrianus Straathof am Ortsrand der kleinen Gemeinde eine Schweinemastanlage für 15000 Tiere. Seit nunmehr sieben Jahren kämpft eine Bürger_inneninitiative gegen dieses Vorhaben. Mit selbst gebastelten Transparenten und Schildern brachten am vergangenen Samstag (3.Februar) die rund 150 Demonstrant_innen ihren Unmut über die Tierfabrik klar zum Ausdruck. „Mastanlagen, Tierlabore…dichtmachen“ hieß es auf einem Transparent, „Alt Tellin güßt Medow: Gemeinsam gegen Riesensauerei in MV“ auf einem anderen. Um die Anwohner_innen vor Ort in ihrem Protest zu bestärken, reisten neben zahlreichen Menschen aus dem Umland, auch Unterstützer_innen aus Brandenburg, Sachsen und Sachsen- Anhalt an.
Bei frühlingshaften Temperaturen und strahlenden Sonnenschein setzte sich die bunte Menge in Richtung Mastanlage in Bewegung. Die Veranstaltung brachte viele unterschiedliche Menschen zusammen: Jung und alt, auf Stelzen, auf dem Rad oder zu Fuß, in bunter Schlaghose oder mit schwarzen Windbreaker bekleidet, demonstrierten gemeinsam unter dem ständigen Tuckern eines Traktors, der sie die komplette Strecke begleitete. Immer wieder ertönten Sprechchöre und Lieder wie „Was willst du? Was will ich? Macht die Mastanlage dicht!“ oder „Tierfabriken, das ist Mord – Widerstand an jedem Ort“.
Je mehr sich die Demonstration der Mastanlage näherte, desto größer wurde der Gestank. Am Gelände angekommen, wurden zwei Transparente direkt am Eingangstor befestigt. Während sich der Großteil der Demonstrant_innen um das selbstgebaute Redner_innenpodest postierte, nutzten einige die Gelegenheit und erkundeten entlang des Sicherheitszaunes das Gelände. Die Mitarbeiter_innen schienen zum Aufräumen angehalten worden zu sein, denn das Grundstück machte einen verhältnismäßig sauberen Eindruck. Nur das vereinzelt wahrnehmbare Quieken der Schweine und der Gestank ließen erahnen, dass es sich hier um eine Mastanlage handelte.
Die Redner_innen vor den, mit Stacheldraht gesicherten, Toren des Unternehmens, zeichneten jedoch ein anderes Bild dieser scheinbar sauberen Tierfabrik. Sie berichteten von verwesenden Tierkadavern auf dem Hof der Anlage, dem Gestank, der von der Gülle ausginge und den unzumutbaren Bedingungen unter denen die Schweine ihre kurze Existenz zu fristen hätten. Nur wenige bestanden jedoch auf die sofortige Schließung der Mastanlage. Vielmehr stand die Forderung nach einer „artgerechten“ Haltung der Tiere und dem Einbau von Luftfiltern zur Minderung der Geruchsbelästigung im Mittelpunkt.
Nachdem die Demonstration beendet wurde, ergab sich noch die Gelegenheit zu manch spannenden Gespräch mit den Anwohner_innen bei Suppe, Kaffee, Tee oder Kuchen. Zu einem baldigen Wiedersehen der Tierfabrikgegner_innen wird es wohl am 22. Februar in Greifswald kommen. Dort verhandelt das Verwaltungsgericht die Klage des BUND zur Entziehung der Betriebserlaubnis.