3.Oktober 2008
Antifademo und Proteste gegen den Naziaufmarsch in Stralsund

Gestern, am Tag der deutschen Einheit, fand in Stralsund eine NPD Demonstration unter dem Motto „Sozial geht nur national – Nationaler Sozialismus statt Globalisierung“ statt. Bei schönstem Regenwetter konnten die Nazis leider ungehindert durch die Hansestadt ziehen.
Hauptredner waren die NPD Landtagsabgeordneten Udo Pastörs, Michael Andrejewski und/oder Stefan Köster sowie Stralsunds Hobby Bürgerschaftsmitglied Dirk Arendt.
Schon morgens um 10 Uhr formierte sich die vom „Bündnis gegen Rechts“ angemeldete Demo unter dem Motto“ No Nazis, Stralsund stellt sich quer“ an der Brunnenaue. Leider fanden nur 100-150 Menschen den Weg dorthin, die meisten von außerhalb. Mit einem Lauti der keine Musik abspielen konnte setzte sich die Demo mit massivem Polizeispalier an allen Seiten durch Stralsunds Wohnviertel auf den Weg. Viele Parolen und Sprüche machten die wenigen Bürger am Straßenrand auf das Anliegen der Demo aufmerksam. Redebeiträge stellten die Situation der Nazi Szene in Stralsund dar, berichteten über die “Arbeit“ der beiden NPD Hobby Abgeordneten der Stralsunder Bürgerschaft Bernd Flotow (verkauft Würstchen in den Niederlanden) und Dirk Arendt (macht nix) und informierten über die beiden verfeindeten Naziläden (Sonnenbanner und Headhunter Streetware).
Die Demo verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. An der Kreuzung Knieperdamm/ Gerd Hauptmann Str. wurde die Demo dann vom Versammlungsleiter aufgelöst, sehr zur Überraschung von Polizei und den Leuten vom DGB Nord. Diese wollten eigentlich weiter Richtung Ozeaneum ziehen um dort das „Bürgerfest“ zu feiern. So folgten dann nach einigem hin und her 5 Leute dem Lauti und zogen von dannen. Der Rest der vielleicht noch 80 Demo Teilnehmer blieb auf der Kreuzung um zu versuchen diese zu blockieren, weil diese auf der Nazi Route lag. Zu diesem Zeitpunkt brach auch der NPD Demozug langsam vom Bahnhof auf. Allerdings nicht so wie geplant. Unter den knapp 300-350 Nazipfeifen befanden sich auch 50-80 so genannte “Autonome“ Nationalisten. Diese weigerten sich trotz mehrmaligen Aufforderns seitens der NPD Mitglieder ihre Sonnenbrillen abzusetzen. So wurden sie kurzerhand ausgeschlossen und veranstalteten ihre eigene spontane Demo, einige Meter hinter dem NPD Zug.

Aufgrund des massiven Polizeiaufgebotes bei der Gegendemo, gelang es den wenigen Teilnehmern nicht, eine Blockade an besagter Kreuzung zu errichten. Es kam zu ersten Handgreiflichkeiten seitens der aggressiven Polizei, die mit der ersten Festnahme endete. So strömten verschiedene kleinere und größere Gruppen aus und versuchten durch die vielen Parkanlagen entlang der Nazi Route etwas zu erreichen. Allerdings führte dort die Polizei ihre scheinbar tollwütigen Hunde Gassi.
Entlang des Ufers und über weite Umwege gelang es allerdings doch einigen, sehr nah an die Route der Nazi Deppen ranzukommen. Leider schafften es zu wenige und aufgrund der mangelnden Präsens der Polizeikräfte bei den Nazis, mussten die Antifas höllisch aufpassen. Einige größere Antifa Gruppen wurden ca. 150 m von den Nazis entfernt durch Einsatzkräfte des BFE aus MV gekesselt. Die Personen wurden von Kopf bis Füssen – bei strömenden Regen mit Socken und ohne Regenjacke draußen stehen – durchsucht und die Personalien wurden von jedem aufgenommen. Zwei Leute wurden vorübergehend festgenommen. Danach gab es Platzverweise für die Naziroute bis 20 Uhr.

Der Tag aus Sicht des EA und Infotelefon:
Zunächst verlief der Tag weitestgehend ruhig. Bis uns um 12:50 die Information ereilte, dass die erste Person von der Polizei festgenommen wurde. Hierbei handelte es sich um einen jungen Punk der nur sein Bier (was ihm vorher von der Polizei unrechtmäßig entwendet wurde) zurückverlangte. Der Einsatzleiter verhielt sich uns gegenüber sehr unkooperativ und machte uns den Eindruck, dass ihm nicht an einer friedlichen Beendigung des Tages gelegen sei.
Als der Festgenommene (ca. 3h später) wieder auf freiem Fuß war wurden 3 weitere Leute eingeknastet (erst 2, dann noch einer) aber auch diese mussten nicht lange sitzen und waren zu um 17:30 auch wieder auf freiem Fuß. Weitere Verhaftungen gab es keine. An dieser Stelle noch mal ein großes Dankeschön an unsere sehr aktiven (zum Teil spontan eingestiegenen) Anwälte, die sich sehr schnell um die Leute gekümmert haben.

Fazit:
Auch wenn die Zeit zum mobilisieren und organisieren sehr knapp war und in Hamburg und Berlin aufgrund des Feiertages auch zahlreiche (Groß-) Veranstaltungen auf dem Plan standen, war es schon erschreckend zu sehen, wie wenig Menschen, besonders Stralsunder Bürger, sich auf die Straße begaben. Je weiter östlich mensch von Stralsund aus geht, ist es noch schwieriger Leute gegen Rechts auf die Straße zu kriegen. Dort gibt es kaum linke Strukturen, in einigen Orten kann mensch von „National befreiten Zonen“ reden.
Leider ist dies in Mecklenburg Vorpommern keine Seltenheit mehr…..

Danke an far für den Bericht.