6. November 2004
Proteste gegen den „Heimatbund Pommern“ in Greifswald

„Heimatbund Pommern“ tanzt auf dem Greifswalder Markt

Am 6.11.2004 veranstaltete der „Heimatbund Pommern“ einen „Tag der offenen Tür“ auf dem Greifswalder Marktplatz. Der „Heimatbund Pommern“ ist eine, von Polizei und Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte Organisation, welche versucht durch diverse Freizeitangebote ihre menschenverachtende Propaganda unter Jugendlichen zu verbreiten. Einige bekannte Gesichter der lokalen Neonaziszene kamen um den „Heimatbund“ zu unterstützen.
Die Neonazis hatten eine Schautafel mit Bildern über ihre Aktionen aufgestellt, zudem spielten sie „deutsches Liedgut“, unter anderen den bekannten Nazibarden Frank Rennicke. Des weiteren hatten sie einen Stand mit Infomaterialien, sowie ein Transparent dabei. Zunächst nur vom Infostand aus, später mit 2 Gruppen durch die Stadt laufend, versuchten die Neonazis ihr Infomaterial unter die BürgerInnen zu bringen.

Doch nicht nur Neonazis, sondern auch rund 40 Jugendliche bezogen an diesem sonnigen Tag Stellung in der Fußgängerzone. Sie hatten ein Transparent („Gegen die Faschisten kämpfen“) dabei und verteilten über 600 Flugblätter, die über die Strategie des Heimatbundes aufklärten.

Als Müllmänner verkleidete Antifas, die ausgestattet mit Müllsäcken („Braune Propaganda hier hinein“) den Flugblätter verteilenden Neonazis immer dicht auf den Fersen waren , boten den BürgerInnen an, das Propagandamaterial des Heimatbundes wegzuschmeißen. Diesem Angebot kamen viele Leute entgegen. Einige erklärten sich sogar bereit extra Nazimüll vom Infotisch zu holen, um es dann fachgerecht in den dafür vorgesehenen Müllbeuteln zu entsorgen. Es wurden viele Diskussionen geführt, wobei sich ein Großteil der Menschen positiv über unsere Aktion äußerte, so meinte etwa ein Rentner: „Einfach traurig, dass es so was noch gibt.“ Ebenfalls reihten sich einige Bürger bei uns länger oder kürzer ein. Zudem beteiligten sich die umliegenden Geschäfte, indem sie Flyer auslegten oder diese in ihre Türen und Schaufenster klebten.

Währenddessen versuchte mensch auf Seiten der Neonazis immer wieder Redebeiträge zu verlesen, die trotz technischer Anlage kaum zu verstehen waren, da mit Trillerpfeifen und Parolen ein erheblicher Lärm gemacht wurde. Die Neonazis reagierten mit Beleidigungen, oder sie gaben es auf ihre Redebeiträge zu verlesen.

Gegen 15.30 war die Naziveranstaltung an Peinlichkeit und Lachhaftigkeit nicht mehr zu überbieten, denn nun fing der Kulturkreis des Heimatbundes an zu tanzen. Volkstänze. Nun ja, bei diesem Anblick konnten sich dann auch viele der BürgerInnen ein Lachen und Kopf schütteln nicht verkneifen. Einige Antifas nutzten die Einladung und tanzten eine Runde mit, warfen mit Konfetti oder lachten die tanzenden (sie versuchten es zumindestens) Neonazis lautstark aus.
Gegen 17 Uhr packte der Heimatbund dann zusammen.
Die Bullen waren anwesend, hielten sich während der Veranstaltung aber größtenteils zurück, jedoch wurde ein Platzverweis erteilt.
Nachdem die Neonazis relativ schnell verschwunden waren, folgte noch eine kleine Spontandemo durch die Greifswalder Innenstadt mit involvierten Riotrun.

Alles in allem kann mensch von einer gelungenen Aktion sprechen. Es wurde geschafft, die Verteilung des Propagandamaterials zu behindern, die Redebeiträge erfolgreich zu stören und spätestens beim Volkstanz den Heimatbund ins Lächerliche zu ziehen. Gleichzeitig wurden alternative Vorstellungen von Jugendarbeit aufgezeigt.

Flugblatt zur Aktion