09. April 2005
Proteste gegen Heimatbundes Pommern Demo in Pasewalk

Am 9. April fand im vorpommerschen Pasewalk eine Neonazidemonstration des Heimatbundes Pommern unter dem Motto „Der Jugend eine Zukunft geben“ statt. Dem Aufruf folgten rund 250 Neonazis aus Mecklenburg-Vorpommern (Nationales und Soziales Bündnis Pommern, Kameradschaftsbund Ducherow etc.) und Berlin/Brandenburg (z.B. Märkischer Heimatschutz).
Der Heimatbund Pommern zählt zu den derzeit aktivsten Neonazigruppierungen in Mecklenburg-Vorpommern und ist fest in die regionale und überregionale Neonaziszene eingebunden. Er versucht durch Organisation von Sportfesten, Müllsammlungen, Wanderungen, Tanzabenden und anderen kulturellen Veranstaltungen in das Alltagsleben der Menschen einzudringen, als bürgerliche Normalität begriffen zu werden und dabei kulturelle Hegemonie zu schaffen. Die Zielgruppe sind dabei vor allem Kinder und Jugendliche. Diese Strategie des Besetzens von kulturellen sowie jugendpolitischen Themen ist nicht neu und vor allem in ländlichen Regionen sehr erfolgreich. So gelang es dem Heimatbund Pommern zum Beispiel sich an der Durchführung des 650. Dorfjubiläums in Liepe zu beteiligen und in verschiedenen Gemeinden bei Erntedankfesten und Weihnachtsfeiern aufzutreten.
Bei den im Vorfeld der Demonstration durchgeführten PKW Kontrollen wurden bei Teilnehmern des Aufmarsches 2 Sturmmasken, 3 Messer, 1 Totschläger und 1 Baseballschläger sichergestellt. Trotz Vorkontrollen kam es vor Beginn der Demo zu einem gewaltsamen Übergriff von 2 Neonazis aus Demmin auf zwei linksalternative Jugendliche. Dabei wurde einem der beiden Linken eine Bierflasche über den Kopf gezogen, weitere Verletzungen wurden ihnen durch Fußtritte und mit einem Schraubenzieher zugefügt.
Die Demonstration setzte sich dann gegen 12 Uhr in Bewegung, führte durch Pasewalks Neubaugebiet in die Innenstadt zum Markt. Dabei sprachen neben einem Mitglied des Heimatbundes Pommern auch der vor kurzem zu einer Bewährungsstrafe wegen eines gewaltsamen Übergriffes auf einige Punker verurteilte Lutz Giesen, der derzeit in Greifswald wohnt.
Auf dem Marktplatz, wo die Abschlusskundgebung der Neonazis stattfinden sollte, hatten sich rund 200 Menschen zu einer Kundgebung unter dem Motto „Bunt statt Braun“ eingefunden. Durch lautes Rufen von Parolen und den Auftritt einer OI Band wurde versucht, die Reden der Neonazis zu übertönen. Nachdem von linker Seite eine Flasche in Richtung Neonazis geworfen wurde, nahmen die Staatsschützer den vermeintlichen Werfer fest und setzten dabei Knüppel ein. Als Reaktion auf die Festnahme aus der recht unorganisierten und nicht gesicherten Gruppe Protestierender (keine Transpis, keine Kettenbildung etc.) flogen weitere Flaschen und Feuerwerkskörper in Richtung Bullen. Weitere Festnahmen folgten.
Der Aufmarsch der Neonazis endete am um 15 Uhr am Bahnhof.
Die Polizei war zahlenmäßig stark präsent und wurde durch eine Hubschrauberstaffel und den Bundesgrenzschutz unterstützt. Das Auftreten der Staatsschützer war durch gereiztes und aggressives Verhalten gekennzeichnet, welches sich unter anderem deutlich bei den Ingewahrsamnahmen zeigte.

Flugblatt über den Heimatbund Pommern