9. November 2008
Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht in Greifswald

Am 9. November versammelten sich circa 20 Menschen, um den Opfern der Reichspogromnacht zu gedenken.
Es war genau 70 Jahre her, dass in ganz Deutschland Synagogen niederbrannten und jüdische Geschäfte und Wohnhäuser überfielen, geplündert und zerstört wurden. Doch es war mehr als nur Kristall und Scherben, die in dieser Nacht zu Bruch gingen, es waren Menschenleben, die zerstört wurden. Das Ausmaß des Pogroms war riesig; mindestens 100 Menschen wurden ermordet, 30.000 Männer in Konzentrationslager verschleppt und unzählige wurden gedemütigt, geschlagen und vergewaltigt. Unzählige Namen, die durch die Nationalsozialisten verschwunden sind; vergessen sind sie aber nicht.
Die Sprecherin machte deutlich, dass das die erschütternden Vorkommnisse in jener Nacht „ein von der Ns_ Führung inszeniertes Pogrom unter reger Beteiligung der Bevölkerung war. SA- Trupps machten den Anfang, der Bürgermeister so mancher dörflicher Gemeinde stieg nachts aus dem Bett um seinen nationalsozialistischen Bürgerpflichten nachzukommen. Aber es waren auch ganz normale Deutsche, die in die Wohnungen eindrangen, ihre jüdischen Nachbarn drangsalierten, das Geschäft an der Ecke plünderten oder halfen das restliche Mobiliar der örtlichen Synagoge zu zertrümmern. Es waren auch ganz normale Greifswalder und Greifswalderinnen, die mitmachten und zusahen, als die Geschäfte jüdischer Menschen in der Brügstraße und in der Steinbeckerstraße demoliert wurden, und als die NSDAP bereits fünf Jahre zuvor eben diese Läden blockierte und zum Boykott aufrief“
Abschließend wurde dazu aufgerufen „an das Leben und Leid der Opfer zu erinnern und konsequent gegen Neofaschismus, Antisemitismus und Rassismus einzutreten.
Neben der Rede wurde auch ein Auszug aus Jenny Aloni’s „Kristall und Schäferhund“, in dem sie ihre Erfahrungen während der Reichspogromnacht literarisch verarbeitet. Zum Abschluss der Gedenkkundgebung vor dem Taffel für die ehemalige jüdische Gemeinde in Greifswald wurde das Gedicht „bewältigte Vergangenheit“ von Reinhard Döhl rezitiert. Anschließend gab es einen Rundgang zu den im Sommer 2008 verlegten Stolpersteinen. Bei jedem der Stolpersteine wurde an das Leben und Leid der ehemaligen Anwohner_innen erinnert und Kerzen, sowie Blumen niedergelegt.
Am Abend fand dann im St. Spiritus ein Vortrag zum Thema „Das ewige Vorurteil? Antisemitismus in Vergangenheit und Gegenwart“statt. Der Referent machte in dem interessant gestalteten Vortrag auf die verschiedenen Spielarten des Antijudaismus/Antisemitismus aufmerksam und erklärte sie in ihrem historischen Kontext.