Tu Wat… für entsexualisierte Freiräume
Antisexismus mehr als nur ein Schlagwort

Ob nun in Diskussionsrunden, auf Werbetafeln oder im Internet – das berühmte Wort mit den drei Buchstaben spielt überall eine Rolle. Die Rede ist vom Sex, und wie in der Gesellschaft mit diesem umgegangen wird. An dem Sex als etwas ganz „natürliches“ und „normales“ ist nun wahrlich nichts auszusetzen, sondern wie die Gesellschaft, und damit die Öffentlichkeit mit ihm, und den damit verbundenen Bildern und Vorstellungen umgeht. In der Werbung werden zum Beispiel Frauen und Männer zu Objekten degradiert und ihre Körper dazu benutzt, um bestimmte Botschaften zu vermitteln – die Botschaft hier ist relativ simpel und einschlagend: sex sells.

Dabei werden besonders häufig Stereotypen verwendet, um die Botschaft noch eindeutiger zu machen – es ist nicht verwunderlich, dass besonders die „gertenschlanke Frau“ oder der „muskelbepackte Mann“ sich dem Schokoladengenuss hingeben. Dadurch werden typische Bilder einer „Frau“ oder eines „Mannes“ reproduziert – sprich immer weiter in der Öffentlichkeit festgeschrieben. Sprache spielt hier die entscheidende Rolle – sie ist sowohl Medium, als auch oft Auslöser für sexistisches Verhalten. Eine Auseinandersetzung mit diesen vermeintlichen Bildern findet nicht statt. Was bleibt ist der Eindruck, dass „Mann“ oder „Frau“ eben einfach so sind. Ein Verhalten oder Aussehen, welches dem entgegensteht, wird als unnormal oder krank bezeichnet. Nur das ist normal, was der Norm entspricht. Konkret heißt dies: „Mann“ liebt „Frau“ und diese bekommen Kinder, die auch wieder nur weiblich oder männlich sind, beziehungsweise sein sollen. Dies ist jedoch nicht so klar: jedes 2000. Kind kommt mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt – also leben mindestens 100.000 intersexuelle Menschen in Deutschland. Sie passen nicht in das altbackene zweipolige Bild von „Mann“ und „Frau“.

Die gender-Forschung unterscheidet genau deshalb nicht in „Mann“ oder „Frau“, sondern in sex – das biologische Geschlecht – und gender – das gesellschaftlich konstruierte Geschlecht. Das heißt, dass das Geschlecht durch soziale und kulturelle Umstände konstruiert ist und kein Zusammenhang zwischen dem biologischen Geschlecht und der Rolle in der Gesellschaft besteht. Körpergefühl und Geschlecht entstehen erst durch kulturelle Belegung und werden uns anerzogen mit Verboten und Beschränkungen (Bsp.: „Jungen weinen nicht.“ oder „Mädchen tragen rosa.“). Diesen Prozess beschreibt Judith Butler als gesellschaftlich und politisch. Das Geschlecht wird demnach zu einem Produkt, der An- und Abwesenheit von Zuschreibungen – so wird eine Idealvorstellung des Körpers erzeugt.

Dem gilt es, sich politisch entgegenzustellen und Freiräume zu schaffen, in denen sich Menschen, egal welchen Geschlechts oder welcher Orientierung frei bewegen können. In denen Idealvorstellungen, Schönheitswahn oder homophobe Aussagen keinen Platz haben. Sexistische Werbeplakate können überklebt oder umgestaltet werden – diskriminierenden Aussagen kann und muss widersprochen werden.

Tu wat gegen sexistische Kackscheiße im Alltag und sowieso.

Buchvorstellung: Martin Büsser stellt vor „Testcard #17- SEX“ anschließend Film “The Raspberry Reich” (CAN, 2004) von Bruce LaBruce
Wann? 7. November, 21 Uhr
Wo? Ikuwo (Goethestraße 1)
Eine Veranstaltung des Ikuwo e.V.

Zum Überkleben sexistischer Werbung „Sexistische Kackscheiße“ Plakat
„Nein heißt Nein“ Plakat
Wie diskutieren? Sexistisches Redeverhalten auf Diskussionsveranstaltungen
Broschüre „Beziehungsweise frei“