Tu Wat gegen Rassismus! Grenzen auf für alle!

„Die Afrikaner haben alle den Rhythmus im Blut!“, „Guck mal, ein Neger!“, „Ich fahr morgen rüber nach Polen, Kippen kaufen, kommst du mit?“ „Nee, die klauen mir ja nur das Auto da.“ Solche Sprüche hat wahrscheinlich jede_r von uns schon einmal gehört. Sie zeigen ganz klar, wie weit rassistische Vorurteile und Einstellungen in unserer Gesellschaft leider noch verbreitet sind. So ergab eine Umfrage 2006, dass 55% der Menschen in Mecklenburg Vorpommern der Behauptung, es gäbe zu viele Ausländer_innen, vollständig zustimmen, und das bei einem Ausländer_innenanteil von etwa 2 % in M-V.
Nicht ganz so offen tritt Rassismus in bestimmten Wörtern und Redewendungen zu Tage. So werden Bezeichnungen wie z.B. „Neger“, „Fidschi“, „Asylant“ von vielen Menschen unreflektiert benutzt, sei es aus böser Absicht, Unwissenheit oder Ignoranz. Diese wirken aber auf Menschen, die nicht dem typischen Bild eines ordentlichen Deutschen entsprechen durchaus verletzend und diskriminierend.
Dabei gibt es nicht nur den negativen herabwertenden Rassismus, wie er im Klischee des „autoklauenden Polen“ deutlich wird. Weniger wahrgenommen wird positiver Rassismus, wie er in dem ersten Satz vorkommt. Bei diesem Beispiel wird Afrikaner_innen eine vermeintlich über das Blut vererbbare Eigenschaft zugeschrieben, ein gutes Rhythmusgefühl. Es gilt jedoch wissenschaftlich als erwiesen, dass solche Fähigkeit nicht vererbbar ist. Allgemein lässt sich sagen, dass Rassist_innen Menschen aufgrund von Äußerlichkeiten wie Haut und Haarfarbe in Kategorien („Rassen“ oder „Völker“) einteilen und ihnen bestimmte angeblich unveränderliche vererbbare Merkmale und Charakterzüge zuschreiben. Dies dient meist der Rechtfertigung von Diskriminierung und fördert das Überlegenheitsgefühl einer Gruppe.
Dabei gibt es diese rassistischen Stereotype schon sehr lange. Schon bei antiken Philosophen findet sich die Vorstellung, dass Menschen aufgrund ihrer geografischen Herkunft oder ihrer biologischen Abstammung besser oder schlechter seien. Im Mittelalter war besonders die Angst vor dem „muslimischen schwarzen Teufel“ und der größtenteils religiös motivierte Antisemitismus verbreitet, welcher sich in zahlreichen judenfeindlichen Pogromen entlud. Mit der Eroberung Amerikas durch die Europäer_innen kam eine neue Dimension des Rassismus zum Vorschein: die Ureinwohner_innen hatten in den Augen der Europäer_innen einen minderwertigen Status oder wurden gar für Tiere gehalten. Dementsprechend wurden sie auch behandelt: Millionen Indianer_innen wurden getötet oder als Sklav_innen gehalten. Mit der Eroberung weiterer Länder in der Kolonialzeit verbreiteten die Weißen ihre rassistischen Vorstellungen in die ganze Welt. Angetrieben durch all die neuen Eindrücke aus den eroberten Gebieten und als Reaktion auf den Gleichheitsgedanken der Aufklärung versuchten Philosophen und Biologen Theorien zur Einteilung der Menschen in verschiedene Rassen zu entwickeln. So sollten soziale Ungleichheiten durch naturwissenschaftliche Begründungen als unantastbar gerechtfertigt werden. Kultur, sozialer Status, Begabung und Charakter, Verhalten, etc. galten als erbbiologisch vorbestimmt. Diskriminierung und Verfolgung wurden durch eine angeblich naturgegebene hierarchisch autoritäre Gesellschaftsordnung legitimiert.
Diese Rassentheorien wurde später, verbunden mit Antisemitismus zu einem zentralen Element der Ideologie der deutschen Nationalsozialist_innen. Menschen, die „minderwertigen Rassen“ zugeordnet wurden, wurden verfolgt, zwangssterilisiert, deportiert und ermordet. Seinen traurigen Höhepunkt fand der deutsche Rassenwahn in der industriellen Vernichtung von Millionen von Jüdinnen und Juden.
Auch wenn die Existenz menschlicher Rassen heutzutage unter Wissenschaftler_innen als widerlegt gilt und Rassismus im Allgemeinen abgelehnt wird, sind in unserer Gesellschaft rassistische Ansichten weiterhin an der Tagesordnung. Diese äußerten und äußern sich z.B. in den ausländerfeindlichen Pogromen der deutschen Bevölkerung in den 90er Jahren, in den zahlreichen gewalttätigen Übergriffen durch Neonazis, sowie in der rassistischen Diskriminierung im Alltag.
Doch auch der Staat trägt täglich dazu bei ein System der Ungleichheit aufrechtzuerhalten. Als Einwanderer/Einwanderin erwünscht sind nur „qualifizierte Fachkräfte“, die der deutschen Wirtschaft nutzen. Menschen, die aus anderen Gründen (z.B. Krieg, politische Verfolgung) ihr Land verlassen, werden durch komplizierte Asylverfahren geschickt, in Abschiebeknäste gesteckt und schließlich abgeschoben. Wer zufällig doch das Glück hat, hier bleiben zu dürfen, muss manchmal jahrelang unter unmenschlichen Bedingungen in Flüchtlingsunterkünften leben, bis er_sie arbeiten und in eine eigene Wohnung ziehen darf.
Für jede_n Europäer_in ist es eine Selbstverständlichkeit überall hinreisen zu können oder in ein anderes Land ziehen zu dürfen. Anderen Menschen, die das Pech hatten in einem Entwicklungsland geboren worden zu sein, wird der Zutritt, vor allem zur „Festung Europa“, verwehrt und sie werden wieder zurück geschickt in Länder, in denen sie oftmals Verfolgung, Krieg und evtl. sogar der Tod erwartet. Somit wird deutlich, dass die Abtrennung von Staaten durch Grenzen bereits im Ansatz rassistisch ist, da sie bestimmten Menschengruppen aufgrund ihrer Herkunft das Privileg z.B. in Frieden leben zu dürfen vorenthält. Rassismus hat also sehr viele unterschiedliche Facetten, die auch heute noch Diskriminierung, Verfolgung oder sogar den Tod von Menschen zur Folge haben. Dabei gibt es viele verschiedene Möglichkeiten wie sich jede_r Einzelne dem entgegenstellen kann: So ist es immer wieder notwendig bei rassistischen Sprüchen oder Übergriffen einzugreifen und Diskriminierungen öffentlich zu machen. Außerdem könnt ihr Flüchtlinge in ihrem Alltag unterstützen oder auf Missstände in der Unterbringung und staatlichen Behandlung von
Asylbewerber_innen aufmerksam machen. Grenzen auf, Festung Europa stürmen!

Vortrag „Gegen den rassistischen Normalzustand“ + Doku „Leben in der Fremde“
Wann? 18. November, 19 Uhr
Wo? Pariser (Kapaunenstraße 20)

Broschüre „Schutzehe – Heiraten zum Zweck der Aufenthaltssicherung“

Broschüre zu Rassismus und europäischer Abschottungspolitik „Migration beats“