TU WAT! für eine lebenswerte Stadt
Es gibt mehr als Verbotsschilder und Werbetafeln

Die Straßen sind voller Schriftzüge und Bilder. Es ist unmöglich sie zu übersehen, sie preisen die Vorzüge von Krankenkassen, Fertigessen und allem anderen, was für Geld zu haben ist, an. Sie sind so allgegenwärtig, dass es seltsam erscheint, wenn wir über einen Schriftzug oder ein Bild stolpern, die oder der uns nichts verkaufen will, nichts anpreist, sondern zunächst einfach mal da ist.
So etwas, etwas, das einfach da ist, vielleicht hübsch, manchmal irritierend, wird in der Gesellschaft, in der wir leben mit einem Etikett versehen, „Kunst“ genannt. Und Kunst gehört in dieser Gesellschaft nicht auf die Straße, sondern, sofern sie von Expert_innen als „künstlerisch wertvoll“ erkannt wird, ins Museum. Sicher verpackt hinter Mauern, gut klimatisiert und gegen Eintritt anzuschauen – kurzum: Dorthin, wo sie niemanden stört, nicht vom Arbeiten oder Einkaufen ablenkt oder gar einen Bezug zu den Verhältnissen hat, unter denen das Leben abzulaufen hat.
Seltsam ist es, wenn sich diese Kunst dem Museum und der musealen Verwaltung entzieht, und als Street Art ihren Platz im alltäglichen, städtischen Raum findet. Wenn sie plötzlich nicht mehr bloß Kunst ist, sondern Teil des alltäglichen Lebens wird. Wenn Kunst nicht mehr das Produkt der oder des von der Kritiker_innenszene anerkannten Künstler_in ist, sondern jede_r die/der will, Kunst macht – und jede_r es sich ansehen kann.
Das derart außer Kontrolle geratene Kunst die Aufmerksamkeit derer auf sich zieht, die Kontrolle haben und ausüben, verwundert da nicht weiter. Hierzu wird gegen die Kunst ins Feld geführt, dass alles jemanden zu gehören hat, die oder der darüber bestimmt, wie es aussieht. Jede Mauer und jeder Stromkasten ist das Eigentum von irgendwem, und hat grau zu bleiben – oder mietbare Werbefläche. Im Museum ist es der so genannte künstlerische Sachverstand, der bestimmt, was gezeigt wird; im öffentlichen (und dennoch privaten Eigentumsgesetzen unterworfenen) Raum ist es das Geld.
Street Art wird somit, beabsichtigt oder unabsichtlich, nicht nur zur Kritik des herrschenden Kunstverständnisses, sondern auch zur Kritik des Eigentums am öffentlichen Raum. Street Art ist also auch die (Wieder-)Aneignung der Stadt durch jeden und jede – und wird vom Staat und den so genannten Eigentümer_innen öffentlicher Flächen, also jenen, die derzeit einen Besitzanspruch auf den öffentlichen Raum äußern, mit Videoüberwachung, privaten Sicherheitsdiensten und hier und da sogar Hubschrauberflügen und Wärmebildkameras bekämpft.
Street Art ist in ihrer Form und ihrem Inhalt so vielfältig wie das Leben. Gesprüht oder gemalt, plakatiert oder geklebt, als Kachel oder als Installation. Street Art regt durch Uneindeutigkeit zum Nachdenken an oder stößt direkt und deutlich auf das, was stört. Street Art kritisiert die herrschende Mainstream-Ästhetik, in dem sie Kreativität oder die Gegen-Ästhetik eines Tags oder Graffiti gegen die immergleiche Bildersprache der Plakatwände setzt. Street Art ist der Ruf: Unsere Stadt! Unser Leben!

„Street Art Workshop“
Wann? 16. November, 15 Uhr
Wo? Klex (Lange Straße 14a)

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